Das Pflegegeld bei der Pflege durch Angehörige

Rentnerin mit Tochter

In der Bundesrepublik Deutschland soll jede Person selbst entscheiden können, wie und durch wen die Pflege erfolgt. Voraussetzung für den Anspruch auf Pflege ist eine Pflegebedürftigkeit.

Hat sich der Betroffene für eine häusliche private Pflege, beispielsweise durch einen Angehörigen, entschieden, so erhält er hierfür durch die gesetzliche Pflegeversicherung ein Pflegegeld, welches monatlich ausgeschüttet wird.

Es gilt zu beachten, dass das Pflegegeld grundsätzlich nur durch eine gesetzliche Pflegeversicherung, welche an eine gesetzliche Krankenkasse gekoppelt ist, ausgezahlt wird.

Um das Pflegegeld beziehen zu können, muss der Versicherte einige Bedingungen erfüllen:

  1. Es muss sich um eine häusliche Pflege handeln.
  2. Die Pflege muss durch einen Angehörigen oder eine ehrenamtlich tätige Pflegeperson durchgeführt werden.
  3. Die Pflege muss in geeigneter Weise und geeigneter Umgebung erfolgen.

Das Pflegegeld wird monatlich direkt an den Versicherten ausgezahlt. Dabei richtet sich die Höhe des Betrages nach der Pflegestufe, in welche der Betroffene durch ein Gutachten (erfolgt nach dem Pflegeantrag) des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung eingestuft wurde.

Höhe des Pflegegeldes

Die Höhe des Pflegegeldes wurde in den vergangenen Jahren häufig angepasst. Seit 2013 erhalten Personen mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz aufgestockte Leistungen. Dies verdanken die Pflegebedürftigen der Gesundheitsreform der großen Koalition. Das Pflegegeld ist nach der Schwere der Pflegebedürftigkeit, also der Pflegestufe gestaffelt.

Der Versicherte kann grundsätzlich frei über das Pflegegeld verfügen und dieses zum Beispiel regelmäßig an die ihn versorgenden und betreuenden Personen als Entschädigung weitergeben. Darüber hinaus kann das Pflegegeld auch zur Finanzierung von Pflegehilfsmitteln dienen, die eine Pflege vereinfachen.

Tabelle: monatliches Pflegegeld (in Euro) in den jeweiligen Pflegestufen

Pflegestufe bis 30. Juni 2008 ab 1. Juli 2008 ab 2010 ab 2012 ab 2013 ab 2015
„0“ 0,00 0,00 0,00 0,00 120,00 123,00
I 205,00 215,00 225,00 235,00 235,00 244,00
I + Demenz 205,00 215,00 225,00 235,00 305,00 316,00
II 410,00 420,00 430,00 440,00 440,00 458,00
II + Demenz 410,00 420,00 430,00 440,00 525,00 545,00
III 665,00 675,00 685,00 700,00 700,00 728,00
private Pflegegeldversicherung

Mehr Leistungen zur Pflege erhalten durch die Private Vorsorge

Mehr Leistungen durch Kombination mit Sachleistungen

TippWenn Pflegende auf sich alleine gestellt sind, kommt es schnell zu einer Überforderung. Helfen kann da ein professioneller Pflegedienst, der nur für bestimmte Aufgaben bestellt wird. So können Laienpfleger nicht nur entlastet werden, Netto stehen auch höhere Leistungen unter dem Strich.

Beispiel: Pflegebedürftiger in Pflegestufe III mit Anspruch auf 700 € Pflegegeld bzw. 1.550 € Pflegesachleistungen (z.b. für Pflegedienst). Morgens wird ein Pflege­dienst für die Morgentoilette und zum Waschen bestellt. Kosten: 310 € monatlich. Dies entspricht 20 % von 1.550 €. Es entsteht weiterhin ein Anspruch auf 80 % des Pflegegeldes, also 560 €.

Insgesamt bezieht der Pflegebedürftige Leistungen in Höhe von 870 € statt 700 € wenn Pflegegeld alleine in Anspruch genommen wird.

Um dem Angehörigen und Pflegenden eines Pflegebedürftigen zu helfen und die Qualität der Pflege zu überprüfen, ist eine Beratungspflege von einem zugelassenen Pflegedienst durchzuführen. Diese erfolgt in der Pflegestufe I und II alle sechs Monate und in der Pflegestufe III vierteljährlich. Dies muss durch den Pflegedienst schriftlich bei der Pflegekasse nachgewiesen werden und diese trägt auch die Kosten dafür.

Verhinderungspflege

Pflegt eine Person einen Angehörigen, so muss dies nicht ununterbrochen erfolgen. Der oder die Pflegende hat ebenso Anspruch auf Urlaub. Für eine Zeit von maximal sechs Wochen im Kalenderjahr übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten für eine Ersatzpflege, die sogenannte Verhinderungspflege. Das gleiche gilt auch für eine Krankheit der Pflegeperson. Dafür stehen jährlich 1.612 Euro zur Verfügung. Wird die Kurzzeitpflege nicht in vollen Ausmaß genutzt, so kann der Rest bis zu einem Maximalbetrag von 806 Euro zusätzlich für die Verhinderungspflege genutzt werden.

Wird die Verhinderungspflege nur für wenige Stunden in Anspruch genommen, so gibt es keine Kürzung des Pflegegeldes. Die Verhinderungspflege kann aber nicht sofort nach dem Eintritt der Pflegebedürftigkeit in Anspruch genommen werden, sondern erst, wenn die Pflegeperson den Pflegebedürftigen mindestens sechs Monate in häuslicher Umgebung gepflegt hat.

Checklisten – zum Download

Besuch eines Pflegekurses

Für Personen, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen, bieten die Pflegekassen oft Pflegekurse an, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen Verbänden durchgeführt werden. Dort gibt es Informationen und auch Anleitungen zur Pflege von Pflegebedürftigen. Zudem findet man dort wichtige Ansprechpartner und auch Personen in der gleichen Situation, mit denen man sich austauschen und Kontakte knüpfen kann. Bei Pflegebedürftigen und Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz werden außerdem Beratungseinsätze durchgeführt.