PEA-Assessment bei Demenz: Eingeschränkte Alltagskompetenz

Seit dem 1. August 2008 haben Personen mit einer erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz (PEA) Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung – unabhängig von der Pflegestufe und damit auch ohne Pflegestufe. Bezieher dieser Leistungen ohne Pflegestufe werden umgangssprachlich auch der „Pflegestufe 0“ zugeordnet.

Alter Mann

InformationDer Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) definiert den Begriff „Alltagskompetenz“ damit, dass ein ausgewachsener Mensch seine alltäglichen Verrichtungen innerhalb seiner Kultur selbständig und unabhängig in eigenverantwortlicher Weise erfüllen kann. Ist das nicht der Fall, so benötigt diese Person Hilfe. In solchen Fällen (z.B. bei Demenz) erhalten betroffene Personen 100 Euro beziehungsweise bei besonderem Bedarf 200 Euro monatlich. Liegt bei betroffenen Personen eine Pflegebedürftigkeit vor, erhalten diese die genannten Leistungen zusätzlich zu den regulären Bezügen.

Seit dem 1. Januar 2013 erhalten Personen mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz auch ohne Pflegestufe ein Pflegegeld und Sachleistungen. Des weiteren wurden die Leistungen der Pflegestufen I und II für betroffene Personen angehoben. Ab 2017 erhalten Demenz-Patienten aufgrund der neuen Einstufung in Pflegegrade 1-5 mehr Leistungen aus der Pflegeversicherung.

Erhöhter Bedarf bei Demenz

Prüfung durch den MDK

Die Feststellung der eingeschränkten Alltagskompetenz unterliegt alleine dem MDK. Dieser ermittelt beim sogenannten Screening und Assessment den Hilfebedarf bei bestimmten Verrichtungen des Alltags. Auf bestimmte Alltagshandlungen legt der MDK ein besonderes Augenmerk. Die Kriterien zur Einteilung sind dabei folgende:

Kriterium Typische Symptome/Merkmale
1. Betroffene Person verlässt Wohnung unkontrolliert
  • Herausdrängen aus der Wohnung
  • Suchen der Eltern oder Kinder außerhalb der Wohnung
2. Gefährdende Situationen werden verursacht oder nicht erkannt
  • Gefährdendes Eingreifen in den Straßenverkehr
3. Gegenstände werden unsachgemäß genutzt
  • Unangemessenes Nutzen von Küchengeräten
  • Unkontrolliertes Nutzen des Gasanschlusses
  • Unsachgemäßer Umgang mit Medikamenten, Chemikalien oder offenem Feuer
  • Essen verdorbener Lebensmittel
4. Unangemessenes aggressives Verhalten
  • Schlagen, Treten, Beißen, Spucken, Werfen
  • Zerstörung von Gegenständen
  • Selbstverletzungen
  • Beschimpfungen, Beleidigungen
5. Unangemessenes Verhalten
  • Urinieren und Koten in Wohnräume
  • Übersteigerter Betätigungs- und Bewegungsdrang
  • Sexuelle Belästigung anderer Menschen
6. Keine Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse
  • Keine Wahrnehmung von Hunger und Durst
  • Keine Wahrnehmung von Verletzungen/Schmerzen
  • Kein Harn- und Stuhldrang
7. Fehlende Zusammenarbeit bei pflegerischen Maßnahmen
  • Apathisches Liegen im Bett
  • Verharren an zugewiesenem Platz ohne Aufforderung diesen zu verlassen
  • Fehlendes Essen und Trinken
8. Neuronale Schädigungen
  • Nicht-Wiedererkennen vertrauter Personen (Eltern, Kinder, Pfleger)
  • Fehlende Fähigkeit zum Umgang mit Geld
  • Fehlende Sprachfähigkeit
  • Nicht Wiederfinden des Zimmers oder der Wohnung selbst
  • Fehlendes Erinnerungsvermögen
9. Tag-Nacht-Störungen
  • Verschobene Wach- und Schlafenszeiten
10. Fehlende Planung und Strukturierung des eigenen Tages
  • Ausbleiben alltäglicher Verrichtungen wie beispielsweise Körperhygiene
11. Alltagssituationen werden falsch wahrgenommen
  • Nahrungsverweigerung aufgrund der Angst sich zu vergiften
  • Verfolgungswahn
  • Wahrnehmung und Reaktionen auf Halluzinationen
12. Übersteigerte Psyche
  • Plötzliches, unmotiviertes, unangemessenes Weinen
  • Übersteigerte Emotionen
13. Ständige Depressionen
  • Ständiges Jammern und Klagen
  • Ständiges Beklagen der Sinnlosigkeit des Lebens und Tuns
Geld

Neben Aufstockungen für Demenzkranke werden seit Beginn 2013 auch höhere Leistungen in den Pflegestufen II und I gewährt.

Vor dem Assessment erfolgt ein sogenanntes Screening, um festzustellen, ob es sich um dauerhafte Symptome handelt. Folgende Kriterien werden berücksichtigt:

  • Orientierung
  • Antrieb/Beschäftigung/Stimmung
  • Gedächtnis/Wahrnehmung und Denken
  • Tag-Nacht-Rhythmus
  • Kommunikation/Sprache
  • Situatives Anpassen
  • Soziale Bereiche des Lebens

Das Assessment wird durchgeführt, sofern mindestens eine Auffälligkeit feststellt wird, die auf eine demenzbedingte Fähigkeitsstörung, geistige Behinderungoder psychische Erkrankungenzurückzuführen ist und regelmäßig mindestens sechs Monate auftritt.

Im Zuge der Reform über die „Pflegestärkungsgesetze“ wurden auch die Leistungen für Demente verbessert. So erhalten beispielsweise seit dem 1.1.2015 erstmalig auch Personen ohne Pflegestufe, die an einer Demenz leiden, Sachleistungen der teilstationären Tages- und Nachtpflege. Außerdem sollen im Zusammenhang mit dem späteren Pflegestärkungsgesetz 2 alle Pflegebedürftigen, egal an welcher Art der Beeinträchtigung (körperlich, demenziell, psychisch) sie leiden, die gleichen Leistungen erhalten können.