Beitragserhöhung 2016 in der PKV: Richtig reagieren & sparen

 

Info-Video zu Preisanpassungen der Krankenversicherung

  • Wie Sie richtig reagieren
  • Ursachen für steigende Beiträge
  • Auswege aus der Kostenspirale

PKV-RechnerDer demografische Wandel und die steigenden Kosten im Gesundheitssystem zwingen viele private Krankenkassen am Ende des Jahres immer wieder zu Beitragserhöhungen. Manche privat Versicherte werden nahezu jedes Jahr mit Beitragsanpassungen konfrontiert.

Betroffene haben verschiedene Handlungsoptionen, um den steigenden Beiträgen zu entgehen. Denn nicht alle Unternehmen und Tarife sind gleich stark von den PKV-Beitragsanpassungen betroffen. In vielen Fällen gibt es sogar Beitragssenkungen für einige Policen. Das können Versicherte nutzen, deren Beiträge steigen. Allerdings: Je nach Alter und Tarif sind unterschiedliche Gegenmaßnahmen sinnvoll. Wir zeigen Ihnen einige Optionen.

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Zukünftige Entwicklung der Beiträge

Steigende Kosten im Gesundheitswesen und vor allem die niedrigen Kapitalerträge auf Alters­rück­stellungen werden nach Ansicht von Experten auch zukünftig zu Beitragserhöhungen führen.

Die Privatversicherer sind gesetzlich verpflichtet, die Beiträge erst mit Überschreiten einer bestimmten Grenze bei den Gesundheitsausgaben anzuheben, anstatt sukzessive langsame Preiserhöhungen vorzunehmen. So können leicht Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich entstehen, die viele Versicherte in den nächsten Jahren erwarten dürften.

Kommt es während der Laufzeit eines Vertrags zu einer Abweichung zwischen den tatsäch­lichen und kalkulierten Leistungen eines Tarifs, können die Beiträge entsprechend angepasst werden. Eine Beitrags­erhöhung kommt jedoch nur in Frage, sofern die tatsächlichen Kosten die kalku­lierten Kosten um mehr als 10 Prozent übersteigen.

Was tun gegen steigende Beiträge?
5 Handlungsoptionen

Wechsel

1. Den Anbieter wechseln

Erhöht die private Krankenversicherung jährlich spürbar die Beiträge erscheint der Wechsel zu einem anderen Unternehmen sinnvoll.

Jedoch lohnt sich solch ein Wechsel meist nur für Per­so­nen, die erst wenige Jahre privat versichert sind.
Hauptgründe:

  • Inzwischen aufgetretene Krankheiten können zu Risikoaufschlägen oder Leistungsausschlüssen führen.
  • Die angesparten Altersrückstellungen fürs Alter können nicht vollständig mitgenommen werden, wodurch höhere Beiträge entstehen.

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Tarifwechsel

2. Zu einem Tarif beim eigenen Unternehmen wechseln

Der Wechsel zu einem anderen Tarif des eigenen Anbieters ist in vielen Fällen lohnenswert. Vor allem weil die Altersrückstellung vollständig übertragen werden kann. Viele Versicherer bringen von Zeit zu Zeit neue Tarife auf den Markt, die attraktive Konditionen bieten.

Hinweis: Das Wechselrecht innerhalb der eigenen Versicherung gilt nur für “gleichartige Tarife”. Bei Tarifen, deren Leistungsumfang über dem bisherigen liegt, kann die Versicherung den Wechsel ablehnen. Es besteht aber die Möglichkeit Mehrleistungen vertraglich auszuschließen oder eine erneute Gesundheitsprüfung nur für die Mehrleistung abzulegen.

PKV-Beiträge senken und Leistungen beibehalten:

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Tarife genau vergleichen!
Wer zu einem anderen privaten Versicherer oder intern zu einem anderen Tarif wechseln möchte, sollte nicht nur die Beiträge vergleichen, sondern auch die Leistungen sowie die Entwicklungen der Beiträge im Laufe der Jahre im Blick haben.

Optionen mit kurzfristiger Ersparnis bei Leistungsnachteilen

Folgende Optionen bringen zwar eine kurzfristige Ersparnis, sind aber mit deutlichen Nachteilen bei der Versorgung verbunden. Selbst wenn Versicherungen oder Makler diese Schritte empfehlen, sollten Versicherte besonders genau abwägen. Oft sind diese Möglichkeiten später mit höheren Kosten im Krankheitsfall verbunden.

Euro

3. Selbstbehalt erhöhen

Durch die Erhöhung des Sebstbehalts der privaten Krankenversicherung sinken die Kosten mitunter erheblich – In manchen Fällen sogar so stark, dass Versicherte auch dann weniger zahlen, wenn Behandlungs- und Arzneikosten laut Tarif selbst zu zahlen sind. Die Beitragsersparnis lässt sich folgendermaßen berechnen:

Effektive Ersparnis = alter Monatsbeitrag – neuer Monatsbeitrag – 1/12 des jährlichen Selbstbehalts

Vor allem für Selbständige in der Privatkasse lohnt diese Option. Angestellte hingegen teilen sich den Beitrag mit dem Arbeitgeber, nicht aber den Selbstbehalt. Versicherte sollten diesen Schritt aber nur wählen, wenn sie finanziell in der Lage sind, den vollen Selbstbehalt im Ernstfall wirklich zu zahlen. Später den Eigenbeitrag wieder zu reduzieren ist nur selten möglich.

Beitraege

4. Leistungen senken

Der Verzicht auf Leistungen kann einige Ersparnisse bewirken. Ein Beispiel: Bereits die Umstellung vom Ein- aufs Zweibettzimmer bei Krankenhausaufenthalten kann bis zu 30 Euro Ersparnis monatlich erzielen. Wer ganz auf Sonderbehandlungen im Krankenhaus vezichtet, kann sogar noch einiges mehr einsparen. Wie bei der Reduzierung des Selbstbehaltes gilt aber auch hier: Wägen Sie gut ab, bevor Sie bestimmte Risiken aus Ihrem Leistungskatalog streichen! Denn Kosten für einmal reduzierte Leistungen müssen Sie im Ernstfall selbst tragen!

Gesetzliche Krankenversicherung

5. Wechsel zur GKV

Die Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse ist mit strengen Auflagen verbunden und kommt nur für Versicherte in Frage, deren Einkommen regelmäßig unter die Versicherungspflichtgrenze von 4.575,00 Euro monatlich fällt. Versicherte sollten sich bewusst darüber sein, dass auch die gesetzliche Krankenversicherung immer wieder von Beitragserhöhungen oder Leistungsreduzierungen betroffen ist. Für Über-55-Jährige ist dieser Schritt gänzlich versperrt. Hier lohnt eher ein Tarifwechsel innerhalb der der Gesellschaft.

Kündigung der Krankenversicherung ausgeschlossen
Eine Kündigung der privaten Krankenversicherung ohne anschließenden Krankenversicherungsschutz ist in Deutschland seit 2009 nicht mehr möglich. Seither gilt die gesetzliche Krankenversicherungspflicht für alle Versicherten.

Liste der Beitragsanpassung (BAP) & Beitragsgarantien 2016

Beitragsanpassungen finden in regelmäßigen Abständen statt. In einigen Tarifen gibt es Beitragserhöhungen, andere Tarife werden dagegen günstiger. Weitere Informationen gibt es in unserer BAP-Infografik.

Gleichzeitig sprechen viele Unternehmen Beitragsgarantien für die nächsten Jahre aus, wie beispielsweise die Anbieter BBKK oder die UKV. Allerdings gelten diese nur für ganz bestimmte Tarife des jeweiligen Unternehmens. Deshalb kann es in anderen Tarifen derselben Gesellschaft parallel auch Beitragsanpassungen geben.

Folgende Tabelle zeigt, welche Anbieter 2016 Beitragserhöhungen und Beitragsgarantien für Neukunden bekannt gegeben haben.

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Checkliste Beitragserhöhung:
Optionen für PKV-Versicherte (PDF 81 kB)

Beitragserhöhungen Beitragsgarantien (mind. bis 31.12.2016)
universa universa
Allianz Allianz
BBKK UKV
Gothaer BBKK
Barmenia Gothaer
ARAG Nürnberger
Inter Inter
Signal Barmenia
Hansemerkur
LVM
R+V
Axa

Quelle: BAP-Guide der Gewa-Comp GmbH. Alle Angaben gelten über alle Tarifgruppen nach Alter der Versicherten im Neugeschäft.
* Auswahl der besonders häufig betroffenen und durch Versicherte nachgefragte Gesellschaften. Der Redaktion liegen die Daten für 40 Gesellschaften vor.
** Beitragsanpassungen noch ungenehmigt.

HUK Coburg & DKV: Beitragserhöhung zum April 2016

Die meisten Versicherer passen ihre Beiträge jährlich jeweils zum 1. Januar an. Einige wenige, wie die HUK, aber auch die DKV, nehmen ihre Beitragsanpassungen zum 01. April vor. Beitragserhöhungen zum Frühjahr – nach dem Herbst der 2 großen Welle – treten meist zum 1. April und in einer dritten Welle zum 1. Mai in Kraft.

Verzinsung der Rückstellungen

EuroAuch die Nettoverzinsung der Altersrückstellungen spielt bei der Beitragserrechnung eine Rolle. Je höher die Altersrückstellungen verzinst werden können, desto geringer wird das Risiko für Beitragserhöhungen. Durch die momentan schwierige Lage an den Kapitalmärkten wird es für die Versicherer zunehmend schwerer, angemessene Zinsen auf die Altersrückstellungen zu erwirtschaften.

Beitragsentwicklungen für weitere Anbieter im Detail

2016 wird die Allianz im Neugeschäft nach bislang ungenehmigten plänen den Tarif AMP90U für Erwachsene erhöhen. Zudem sollen viele Mediziner im Tarif MP100 mehr zahlen, Studierende in den Tarifen MP100A und AMP90UA. Bestandskunden sollen in einigen Vollversicherungs- und Beihilfetarifen mehr zahlen.

Daneben gibt die Allianz auch viele Beitragsgarantien für Bestands- und Neukunden bis Ende 2016, auch für viele Zusatzversicherungen. Hier wird auch der GKV-Ergänzungstarif AB02 für Neukunden erheblich günstiger (bislang ungenehmigt).

Kunden der Alten Oldenburger können sich bis 31.12.2014 über zahlreiche Beitragsgarantien in ausgewählten Tarifen freuen. Weitere Garantien oder Beitragserhöhungen der Alten Oldenburger sind bisher nicht bekannt.
Die Arag wird 2016 einige Beitragserhöhungen im neugeschäft vornehmen, die in den Vollversicherungstarifen bei durchschnittlich 1.55 Prozent liegen sollen, in den Beihilfetarifen bei durchschnittlich 2,85 Prozent. Zudem gibt es aber auch zahlreiche Beitragsgarantien für Neu- und Bestandskunden bis Ende 2016. Diese gelten auch für viele Zusatzversicherungen.
Bei der Axa wird 2016 der Tarif Vital900-U für neuversicherte Erwachsene um durchschnittlich 20,57 Prozent teurer. Ansonsten spricht die Axa jedoch zahlreiche Beitragsgarantien für Neu- und Bestandskunden in vielen Vollversicherungs-, Beihilfe und zusatztarifen aus. Steigen wird für neuerversicherte Minderjährige der GKV-Ergänzungstarif EG080-U um 55 Prozent.
Die Barmenia plant 2016 Beitragsanpassungen im Bestands- und Neugeschäft. Neukunden sollen in den Vollversicherungstarifen (Angestellte, Selbstständige, Freiberufler) durchschnittlich 2,31 Prozent mehr zahlen, Mediziner 0,15 Prozent, Beamte 3,97 Prozent, Beamtenanwärter 4,87 Prozent und Studierende 3,08 Prozent mehr. Zudem gibt es aber auch viele Beitragsgarantien bis Jahresende 2016.

Auch bei den Zusatzversicherungen gibt es Anpassungen im Neugeschäft. So sinkt beispielsweise das Krankentagegeld um durchschnittlich 0,78 Prozent. Auch Krankenhaustagegeld und GKV-Ergänzung werden günstiger.

Bei der Central bleiben viele Vollversicherungs-, Beihilfe- und Zusatztarife 2016 zunächst stabil.
Im Neugeschäft des Deutschen Rings werden sich die Vollversicherungstarife für Angestellte, Selbstständige und Freiberufler 2016 um durchschnittlich 3,2 Prozent erhöhen. Einige Ausbildungs- und Beihilfetarife sinken für Neukunden. Außerdem gibt es viele Beitragsgarantien für Neu- und Bestandskunden für Vollversicherungen, Beihilfetarife und Zusatzversicherungen. Letztere sinken zum Teil sogar: Das Krankentagegeld um durchschnittlich 12,1 Prozent, das Krankenhaustagegeld im Durchschnitt um 7,73 Prozent und die Pflegezusatzversicherung um durchschnittlich 0,57 Prozent.
Für 2016 sind bei der DKV noch keine Beitragsanpassungen bekannt.
Die Hallesche hat für 2016 bisher keine Beitragsanpassungen bekanntgegeben.
Bei der Hanse Merkur wird es 2016 einige Beitragsanpassungen geben. Die Vollversicherung im Tarif PS3 für Angestellte, Selbstständige und Freiberufler steigt um durchschnittlich 7,81 Prozent. Der Ausbildungstarif PS3 (A) soll durchschnittlich 8 Prozent mehr kosten. In der Beihilfeversicherung müssen Beamte durchschnittlich 1,43 Prozent mehr bezahlen, Anwärter durchschnittlich 7,06 Prozent.
Dazu gibt es bei der Hanse Merkur aber auch Beitragsgarantien für Neu- und Bestandskunden in vielen Vollversicherungs, Beihilfe- und Ausbildungstarifen sowie bei vielen Zusatzversicherungen. Beitragssenkungen gibt es in einigen Beihilfetarifen im Neugeschäft (Beamte bis 12, Anwärter bis 13 Prozent).
Die Signal nimmt 2016 einige Beitragsanpassungen für Neukunden vor. Die Vollversicherung (Angestellte, Selbstständige, Freiberufler) wird für Minderjährige in ausgewählten Tarifen teurer, die Beihilfeversicherung wird hingegen für verbeamtete Erwachsenen in wenigen Tarifen teurer.
Zudem gibt es aber auch viele Beitragsgarantien im Neu- und Bestandsgeschäft bis 31.12.2016, die neben vielen Vollversicherungstarifen für Angestellte, Selbstständige und Freiberufler auch für zahlreiche Studierende, Beamte und Anwärter sowie in vielen Zusatzversicherungen gelten. In letzteren gibt es zudem einige Anpassungen im Neugeschäft: Während die Pflegezusatzversicherung im Durchschnitt leicht sinkt, wird es bei der Altersbeitragsentlastung durchschnittlich teurer.
Die UKV gibt ihren Kunden zahlreiche Beitragsgarantien bis zum 31.12.2015. Davon betroffen sind Tarife zur Vollversicherung von Angestellten, Selbstständigen und Freiberufler sowie Medizinern, Beihilfeberechtigte sowie Zusatzversicherungen zum Kranken- und Krankenhaustagegeld, zur GKV-Ergänzung und zur Pflegezusatzversicherung für Neu- und Bestandskunden.

Vor allem ältere Versicherte sowie Gering­verdiener haben bei Beitragserhöhungen das Nachsehen. Trotz der kapitalgedeckten Altersrückstellung steigen die Beiträge mit zunehmenden Alter stetig an. Pensionäre mit nur kleiner Rente haben oft Schwierigkeiten die Kosten der PKV zu tragen. Ähnlich geht es Selbständigen mit geringem Einkommen, die nach dem Gesetz nur noch in die gesetzliche Krankenkasse zurück dürfen, sofern sie eine versicherungspflichtige Anstellung annehmen.

Die Altersrückstellungen der privat Ver­sicher­ten werden als Kapitalreserve angelegt und verzinst. Der dafür vorgesehene Rechnungs­zins lag lange bei 3,5 Prozent. Alle Kapital­erträge, die über dem Zins liegen, müssen als Überzins zu 90 Prozent allen Versicherten zu Gute kommen. Der Über­zins beeinflusst die Stabilität der Beiträge somit erheblich.

Bereits Ende 2015 geben viele private Krankenversicherer die Beitragserhöhungen für das Jahr 2016 bekannt. Unter folgenden Links finden Sie die aktuellen Beitrags­anpassungen einiger großer Versicherer.

Beitragserhöhung Axa für 2016
Beitragserhöhung Continentale für 2016
Beitragserhöhung Debeka für 2016
Beitragserhöhung Beamtenkrankenkasse 2016
Beitragserhöhung Inter für 2016
Beitragserhöhung Gothaer für 2016

Demografischer Wandel

Einer der Hauptgründe für die stetig steigenden Beiträge ist der demografische Wandel. Hinzu kommen gravierende Veränderungen in der gesellschaftlichen Altersstruktur:

2060 mindestens 65 Jahre alt: 34%

2060 wird jeder Dritte (34%) mindestens 65 Jahre alt sein und es werden doppelt so viele 70-Jährige leben, wie Kinder geboren werden.

Immer ältere Menschen nehmen immer mehr und immer länger medizinische Leistungen in Anspruch, wodurch die Kosten für die Krankenversicherungen deutlich steigen. Rückstellungen für das Alter sind speziell in besonders günstigen privaten Einsteigertarifen meist nicht ausreichend auf den Kostendruck im Gesundheitswesen ausgerichtet.

Es gibt auf kalkulatorischer Ebene keine Verknüpfung der Verwendung der Alters­rück­stellungen mit dem Renten­eintritt. Dies bedeutet aber nicht, dass es keine Entlastungen der Beitragszahlungen rund um den Renten­eintritt geben kann. So entfällt zum Beispiel der Beitragsanteil für das Krankentagegeld. Zudem fällt der gesetzliche 10%-Zuschlag weg und um künftige Beitrags­erhöhungen zu minimieren, werden die Altersrückstellungen eingesetzt.

Beitragsentwicklung der letzten Jahre

Wie das IGES-Institut ermittelt hat, sind die Beiträge für privat Versicherte von 1997 bis 2009 pro Kopf um etwa 55 Prozent gestiegen. Einen genauen, durchschnittlichen Wert für die Beitragsentwicklungen in der privaten Krankenversicherung zu erhalten ist jedoch sehr schwierig, da unterschiedliche Daten zu den jährlichen Beitragsanpassungen vorliegen. Folgende Statistiken pflegen die Versicherungsaufsicht Bafin und der PKV-Spitzenverband:

Jahr Beitragserhöhungen nach Bafin Beitragserhöhungen laut PKV-Branche
2010 7,27 Prozent 3,73 Prozent
2009 3,37 Prozent 4,61 Prozent
2008 3,93 Prozent 6,72 Prozent
2007 3,69 Prozent 6,05 Prozent
2006 4,92 Prozent 3,13 Prozent
2005 3,89 Prozent 4,53 Prozent
2004 7,50 Prozent 4,79 Prozent
2003 7,63 Prozent 3,87 Prozent

Quelle: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE
(Anfrage als PDF) – Drucksache 17/9227 – „Beitragssteigerungen bei privaten Krankenversicherungen“

55 %

Anstieg 1997–2009 pro Kopf

Gründe für steigende Kosten

  • Steigende Ärzte- und Krankenhaushonorare
  • Teurer werdende medizinische Leistungen
  • Steigende Arzneimittelausgaben
  • Hohe Verwaltungs- und Abschlusskosten
  • Beitragsausfälle durch Zahlungssäumige
  • Schlechte Situation auf dem Kapitalmarkt
  • Einführung der neuen Unisex-Tarife
  • Demografischer Wandel in Deutschland

Morgen & Morgen haben darüber hinaus folgende Daten über die Beitrags­erhöhungen in den letzten zehn Jahren erhoben:

0

Absolute Beitragserhöhung: 113 bis 4.475 €
Prozentuale Beitragserhöhung: 0,5 bis 8,2%

0

Absolute Beitragserhöhung: 272 bis 4.096 €
Prozentuale Beitragserhöhung: 0,7 bis 12,4%

Der europäische Gerichtshof hatte Anfang 2011 entschieden, dass eine Gleichbehandlung von Männern und Frauen bei Versicherungstarifen stattfinden muss. Seit dem 21.12.2012 müssen daher alle privaten Versicherungsunternehmen geschlechtsneutrale Unisex-Tarife anbieten. In der privaten Krankenversicherung führt dies dazu, dass Männer mehr Beiträge zahlen müssen. Aber auch für Frauen sind Beitragserhöhungen infolge der Anstrengungen der Neukalkulation nicht ausgeschlossen.

Bedingt durch die Inflation, den demografischen Wandel und die steigenden Kosten im Gesundheitssystem haben immer mehr private Versicherungsunternehmen das Problem, den Rechnungszins von 3,5 Prozent zu erwirtschaften. Aus diesem Grund haben viele PKV eine Absenkung des Rechnungszinses auf bis zu 2,75 Prozent vorgenommen. Das Problem: Die Herabstufung des Zinses müssen die Versicherten durch höhere Beiträge ausgleichen.

Häufig gestellte Leser-Fragen (FAQ)

Die private Krankenversicherung ist verpflichtet, den Kunden schriftlich über die geplante Beitragsanpassung zu informieren. Dies muss spätestens einen Monat vor der erstmaligen Fälligkeit des neuen Beitrags geschehen (VVG §40 Absatz 2).
Ja. Sobald Ihre Versicherung eine Beitragsanpassung ankündigt, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht und können den Tarifvertrag noch vor Ende der Vertragslaufzeit kündigen. Die Kündigung muss bis spätestens einen Tag vor Inkrafttreten des erhöhten Beitrags bei dem Versicherer eingegangen sein. Vorsicht: Für manche Tarife (z.B. das Krankengeld) gelten besondere Bedingungen.
Ein Wechsel des Tarifs innerhalb einer privaten Krankenversicherung kann weitere Erhöhungen im bisherigen Alttarif vermeiden. Dieser Schritt lohnt insbesondere für langjährig privat Versicherte, deren Beitrag schon stark angestiegen ist. Erworbene Rechte und Altersrückstellungen können dann in den neuen Tarif transferiert werden.
Die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist schwierig, aber möglich. Die Voraussetzung ist, dass das Einkommen des Betroffenen wieder unter die PKV-Einkommensgrenze fällt oder er seinen beruflichen Status ändert, z.B. von der Selbständigkeit zurück in ein Angestelltenverhältnis. Zudem gilt die Grenze von 55 Jahren.
Fakt bleibt, dass die Belastung für Personen mit hohem Einkommen und für Selbständige in der GKV deutlich höher ist als in der privaten Krankenversicherung. In der gesetzlichen Vorsorge werden die Beiträge abhängig vom Einkommen berechnet, wodurch diese Berufsgruppen oftmals den Höchstbeitrag zahlen. In der PKV werden Beiträge hingegen individuell berechnet. Weiterhin bietet die PKV im Schnitt eine bessere Leistungsabdeckung und übernimmt Behandlungen, die im gesetzlichen Leistungskatalog nicht vorgesehen sind. Hinzu kommt, dass nicht nur in der PKV Beiträge anpasst werden. Auch die gesetzliche Krankenversicherung hat ihre Beiträge in den vergangenen Jahren stetig erhöht. Beide Systeme leiden unter den Auswirkungen des demografischen Wandels und den steigenden Kosten im Gesundheitssystem.
Nein. In der privaten Krankenversicherung ist eine nachträgliche Beitragserhöhung oder Kürzung der Leistungen ausgeschlossen. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist dies hingegen möglich (z.B. bei der Erhebung eines Zusatzbeitrags).
Prinzipiell ja. Viele private Krankenversicherungen planen jedoch so, dass die Beiträge zum Anfang oder zur Mitte des Jahres angehoben werden. Die Beitragserhöhung darf nur durchgeführt werden, wenn diese zuvor durch einen unabhängigen Treuhänder für rechtens erklärt wurde.
Wenden Sie sich am besten an den Ombudsmann der privaten Kranken- und Pflegeversicherung. Dieser zeigt Wege auf, wie bei einem Widerspruch gegen die Beitragsanpassung vorgegangen werden kann. Eine aktive Rolle übernimmt der Ombudsmann jedoch nicht. Eine außergerichtliche Überprüfung der Unterlagen ist nahezu unmöglich, da die benötigten Schriftstücke dem Geschäftsgeheimnis unterliegen. Dementsprechend kann ein Gutachten immer nur über den Rechtsweg erstritten werden.
Mit sogenannten Beitragsgarantien geben Versicherer das Versprechen, ihre Beiträge in einem festgelegten Zeitraum nicht zu erhöhen. Die Garantien gelten jedoch meist nur für bestimmte Tarife und einen relativ überschaubaren Zeitraum von rund einem Jahr.
Schon vor der Einführung der neuen gleichgeschlechtlichen Tarife befürchteten Branchenkenner flächendeckende Beitragserhöhungen. Erste Tests der neuen Produkte zeigen: Die Absicherung ist nicht nur für Männer teurer geworden, auch für Frauen gab es Erhöhungen, die vor allem mit Sicherheitszuschlägen der Versicherer zu tun haben. Auf der anderen Seite haben die Anbieter die Umstellung aber auch genutzt, um ihre Leistungen zu verbessern bzw. neue gesetzliche Bestimmungen umzusetzen.

Die private Krankenversicherung muss den Kunden spätestens einen Monat vor Inkrafttreten des neuen Beitrags über die Beitragsanpassung informieren, sonst ist die Beitragserhöhung zumindest vorläufig anfechtbar.

Rechtmäßigkeit einer Beitragserhöhung

PKV 2016 von Experten geprüft