Gesetzliche Krankenversicherung: Wechsel lückenlos gewährleisten

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Seit Anfang 2015 erhebt jede Kasse eigene Beiträge in unterschiedlicher Höhe. Ein Wechsel spart daher unter Umständen mehrere hundert Euro pro Jahr.

Grund ist die Einführung der flächendeckenden Zusatzbeiträge, wonach sich ein Krankenkassenwechsel besonders lohnt. Denn: Die derzeit 118 gesetzlichen Krankenkassen bieten teilweise unterschiedliche Zusatzleistungen an, die je nach Kasse nicht immer den persönlichen Ansprüchen aller Patienten gerecht werden. Aktuell fordern 116 Krankenkassen einen Zusatzbeitrag. Regelmäßige Tests durch renommierte Institute erleichtern die individuelle Wahl der richtigen Krankenkasse.

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Checkliste für den erfolgreichen, lückenlosen Wechsel

1.
Fristen prüfen

Gesetzlich Versicherte haben meist zwei Monate Kündigungsfrist, für Wahltarife gelten aber andere Fristen. Zusätzlich gibt es in bestimmten Fällen ein einmonatiges Sonderkündigungsrecht, z. B. bei erstmaliger Erhebung eines Zusatzbeitrags. In diesem Fall ist die sonst übliche Mindesversicherungszeit von 18 Monaten außer Kraft gesetzt.

Beispiel

  • zum 1. Januar: Inkrafttreten des Zusatzbeitrags
  • 1. – 31. Januar: Zeit für Sonderkündigung (Eingang bei der Kasse). Alle Mitglieder, auch kürzer als 18 Monate bei der Kasse versichert, können kündigen.
  • 31. März: Mitgliedschaft bei alter Kasse endet
  • 1. April: Mitgliedschaft bei neuer Kasse beginnt

Frist verpasst? Auch nach dem Zeitfenster für die Sonderkündigung kann gekündigt werden. Allerdings ist das nur für Mitglieder möglich, die länger als 18 Monate bei der Kasse versichert sind. Alle anderen müssen erst die Mindestversicherungszeit abwarten.

2.
Kriterien für eine gute Krankenkasse

Tipp der Redaktion: Testergebnisse aktueller Krankenkassen-Tests

3.
Alte Krankenkasse kündigen

Bitten Sie bei der Kündigung auch um eine schriftliche Kündigungsbestätigung. Dabei müssen Sie die übliche Kündigungsfrist beachten. Ein neuer Versicherungsvertrag erhält erst dann Gültigkeit, wenn eine neue Mitgliedschaft nachgewiesen werden kann.

4.
Mitgliedschaft bei neuer Krankenkasse beantragen

Gesetzliche Anbieter sind bei einem Wechsel zur Aufnahme neuer Mitglieder verpflichtet! Niemand darf abgelehnt werden, auch nicht mit Vorerkrankungen. Bei Familienversicherung gilt außerdem: Die neue Mitgliedschaft muss durch den Hauptversicherten beantragt werden.

5.
Bestätigung der Mitgliedschaft bei der alten Kasse einreichen

Jetzt wird die Kündigung wirksam und der Krankenversicherungswechsel ist abgeschlossen. Leistungen können ab sofort bezogen werden.

Die Krankenkassenkarte der alten Kasse behält vorläufig Ihre Gültigkeit, bis Sie durch die neue Krankenkasse eine neue Versichertenkarte erhalten.

Die Auswahlkriterien – Pluspunkte der Krankenkassen

Der Service

ServiceDie Krankenkasse sollte erreichbar sein, und das ohne Probleme. Ob per Telefon oder persönlich, Erreichbarkeit muss ein wichtiges Kriterium sein. Auch eine qualitativ hochwertige Beratung sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Gibt es eine medizinische Hotline, gibt es Hilfestellung für die Vereinbarung von Facharztterminen, gibt es Klärungen zu Impfungen oder verschiedenen Behandlungsmethoden?

Die Wahltarife

ListenEs gibt Pflicht-Wahltarife, die alle Kranken­kassen anbieten müssen. Das sind beispiels­weise Tarife zur integrierten Versor­gung, Behandlungsprogramme für chronisch Kranke oder Hausarztmodelle. Diese Programme laufen meistens über ein Jahr. Anders ist das bei den freiwilligen Wahltarifen. Hier gilt äußerste Auf­merk­sam­keit, denn entscheidet man sich für einen dieser Wahl­ta­ri­fe, ist man für drei Jahre an die jeweilige Krankenkasse gebunden.

Prävention und andere Extras

KrankenzusatzDie meisten Krankenkassen zahlen Zuschüsse zu Gesundheitskursen, wie Sportkurse und Kurse zu richtiger Entspannung oder gesunder Ernährung. Im Normalfall sind das 80 Prozent der Kursgebühren. Man muss solche Kurse allerdings bei einem geprüften Anbieter absolvieren. Die Anzahl der finanziell unterstützten Kurse differiert stark. Es gibt noch viele Sonderleistungen, die von einzelnen Krankenkassen angeboten werden. Da gibt es die Kostenübernahme für Hospize, Sonderprogramme für Übergewichtige oder einen Dolmetscherservice. Es gibt zahlreiche Projekte, bei denen eine Teilnahme interessant und lohnend sein könnte.

1A-Tipp3

Eine gesetzliche Versicherung lohnt vor allem in folgenden Fällen

  • Familienmitglieder sollen mitversichert werden
  • Es bestehen (chronische) Vorerkrankungen
  • Selbständige: Das Einkommen ist oft niedrig oder schwankt sehr stark

Zum Rechner gesetzliche Krankenkassen

Versicherungspflichtigen stehen folgende Krankenkassenarten zur Wahl:

  • die allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) des Arbeits- oder Wohnortes
  • alle Ersatzkassen, die laut ihrer Satzung für den jeweiligen Wohn- oder Arbeitsort zuständig sind
  • Betriebs- oder Innungskrankenkassen, die für den eigenen Betrieb zuständig sind
  • Betriebs- und Innungskrankenkassen, die satzungsgemäß für den Wohn- oder Beschäftigungsort zugelassen sind

Häufig gelten für die gesetzlichen Wahltarife Mindestbindungsfristen. Diese können unter Umständen außer Kraft gesetzt werden, sofern:

  • eine freiwillige Versicherung besteht
  • Anspruch auf eine Familienversicherung besteht
  • der Wechsel innerhalb der gleichen Kassenart erfolgt (Regelung muss in der Satzung der jeweiligen Kasse festgeschrieben sein)

Die wichtigsten FAQ im Überblick

Ein Wechsel der Krankenkasse kann sich beispielsweise lohnen, wenn Versicherte von einer Krankenkasse mit Zusatzbeitrag in eine Kasse ohne oder niedrigeren Extrabeitrag wechseln. Zudem ist ein Krankenkassenwechsel empfehlenswert, wenn Zusatzleistungen und Bonusprogramme besser auf die individuellen Bedürfnisse des Versicherten zugeschnitten sind.
Um die zahlreichen Angebote der Kassen beurteilen zu können, lohnt sich stets ein unabhängiger Krankenkassenvergleich. Dieser kann Interessierten dabei helfen, die individuell beste Krankenkasse zu finden. Auch Testberichte unabhängiger Testagenturen wie beispielsweise “Stiftung Warentest” oder deren Ableger “Finanztest” können bei der Suche hilfreich sein.
Ein Wechsel der Krankenkasse kann mitunter einige Vorteile mit sich bringen: Dies ist zum Beispiel die sichere Grundsicherung auch bei Arbeitslosigkeit oder einer chronischen Krankheit. Zudem darf eine Krankenkasse keinen Versicherten ablehnen. Die Kostenabrechnung mit Leistungserbringern erfolgt direkt durch die Krankenkasse und die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern und Kindern ohne Einkommen ist in der Familienversicherng möglich. Ein letzter großer Vorteil ist, dass es bei einem Krankenkassenwechsel keine Wartezeiten gibt.
Nicht ohne Weiteres. Betroffene sollten zunächst prüfen, ob eine Tarifoptimierung der PKV unter Umständen nicht kostengünstiger ist. Folgende Voraussetzungen sind jedoch für einen Wechsel von der PKV in die GKV u.a. vom Gesetzgeber vorgesehen: Es besteht eine Versicherungspflicht in der GKV, wenn das Einkommen des Versicherten für die Dauer von mindestens einem Jahr unter die aktuelle Versicherungspflichtgrenze gesunken ist (2015: 54.900,00  Euro jährlich / 4.575,00 Euro monatlich). Nimmt ein Selbständiger ein Angestelltenverhältnis auf, welches mit einem Gehalt unterhalb der Versicherungspflichtgrenze einhergeht, so kann er ebenfalls zurückwechseln. Zwei weitere Punkte sind: Der Versicherte hat das 55. Lebensjahr noch nicht überschritten und er hält die entsprechenden Kündigungsfristen des PKV-Anbieters ein.
Ja. Damit der Wechsel der gesetzlichen Krankenkasse wirksam werden kann, muss der Versicherte gegenüber dem Arbeitgeber einen Nachweis über die neue Mitgliedschaft erbringen. Wichtig: Erfolgt die Vorlage der Mitgliedsbescheinigung nicht oder verspätet, ist die Kassenwahl unwirksam. In einem solchen Fall wird die Mitgliedschaft bei der alten Krankenkasse fortgesetzt.