Deutschland – USA im Vergleich

Autofahren macht Spaß und ist Notwendigkeit, egal ob auf deutschen Autobahnen oder US-amerikanischen Highways. Leider aber hat Autofahren auch seine Schattenseiten: Allzu oft kommt es dabei zu unschönen Zwischenfällen, angefangen vom Lackkratzer oder Auffahrunfall bis hin zum schweren Verkehrsunfall mit Personenschaden. Schnell stellt sich die Frage, wer eigentlich für einen solchen Schaden aufkommt – vor allem dann, wenn man fremd in einem Land ist oder wenn man von einem System ins andere wechseln möchte.

Icon-Lupe-V1Kfz-Versicherungen zählen sowohl in Deutschland als auch in den USA zu den wohl wichtigsten Versicherungen, decken sie doch auch Ansprüche Dritter im Straßenverkehr ab. Natürlich unterscheiden sich die Systeme mehr oder weniger voneinander – und genau diese Unterschiede sind es, über die Sie Bescheid wissen wollten. Auch kurz- bis mittelfristige Aufenthalte – seien sie privater oder geschäftlicher Natur – können sowohl für US-Bürger in Deutschland als auch für deutsche Staatsbürger in den USA nicht unerhebliche Überraschung bereithalten, wenn es um Pflichtversicherungen, Rabattgewährung, Prämien und Schadensklassen geht. Aus diesem Grund finden Sie auf diesen Seiten grundlegende Informationen zu den Versicherungssystemen in Deutschland und den USA an sich, aber auch darüber, womit sie in puncto Rabatte und Rabattmitnahme, Deckungshöhen und Zusatzversicherungen in beiden Ländern rechnen sollten.

Einstufungen in die jeweiligen Systeme

Die Einstufung in ein jeweils fremdes Versicherungssystem ist immer stark davon abhängig, inwieweit die in der Heimat gefahrenen Jahre und erfahrenen Rabatte miteinbezogen werden (können). Je nach Kompatibilität und Komplexität der Systeme und auch Entgegenkommen der Versicherungsgesellschaften, kann generell eine Einstufung gemäß der vorherigen Schadensfreiheitsklassen bzw. Schadensfreiheitsrabatts erfolgen. Wie es sich nun mit der Einstufung von US-Amerikanern in Deutschland und vice versa verhält, erfahren Sie im Folgenden.

Einstufung für Deutsche in den USA, die US-Bürger werden

Entscheidet man sich in die USA auszuwandern und letztendlich US-Bürger zu werden, so sollte man wissen, dass bezüglich der Kfz-Haftpflichtversicherung keine Pflicht seitens der US-Versicherungsgesellschaften besteht, die in Deutschland zugeteilten Schadenfreiheitsklassen oder auch Schadensrabattklassen zu übernehmen. Oftmals sind Versicherer in den USA nicht mit dem deutschen System vertraut. Insofern empfiehlt es sich vor dem Übersiedeln, US-Versicherungsgesellschaften mit Vertretungen in Deutschland aufzusuchen, da deren Makler wohl noch am ehesten das deutsche Versicherungssystem kennen. Je nach Kulanz und Wissensstand der Versicherer ist es dann eventuell möglich, die erfahrenen Rabatte teilweise oder gar vollständig zu übernehmen.

Einstufung für US-Bürger in Deutschland, die Deutsche werden

Auch für US-Bürger, welche die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen (möchten) gilt, dass die in den USA schadensfrei gefahrenen Jahre und damit zusammenhängenden Rabatte nicht zwangsläufig von deutschen Versicherungsgesellschaften übernommen werden müssen. Deutsche Versicherer sind nicht immer mit dem US-amerikanischen Kfz-Versicherungssystem vertraut. Eine Bestätigung der ehemaligen Versicherung kann sich als sehr hilfreich erweisen und entsprechende Kulanz vorausgesetzt dazu führen, dass schadenfrei als US-Bürger gefahrene Jahre entsprechend Anrechnung in der deutschen Kfz-Versicherung finden.

flag_germany

Das deutsche System der KFZ Versicherung

Das Kfz-Versicherungssystem in Deutschland ist in seinen Grundzügen so aufgebaut, dass für alle Fahrzeuge, die in Deutschland angemeldet sind, eine Kfz-Haftpflichtversicherung bestehen muss. Es handelt sich dabei also um eine Pflichtversicherung, ohne die kein Fahrzeug zugelassen wird. Für Autos, die im Ausland gemeldet sind, gelten unterschiedliche Übergangsregelungen für die AUtoversicherung, je nach Aufenthaltsdauer und Herkunft.Eine Kfz-Haftpflichtversicherung dient dem Schutz Dritter bei Unfällen und umfasst das gesetzlich vorgeschriebene Minimum an Versicherung. Weiterhin stehen Pkw-Haltern in Deutschland mehrere Optionen, ihr Auto noch umfassender abzusichern, zur Verfügung: Teil- und Vollkaskoversicherungen beinhalten mit verschiedenen Selbstbeteiligungssätzen auch Kostenübernahmen für Schäden am eigenen Pkw nach Unfällen, Vandalismus, Naturkatastrophen, Diebstahl, Wildschäden oder auch bei Glasbruch durch Steinschlag etc.

Entsprechend der Selbstbeteiligung, aber auch der Anzahl schadenfrei gefahrener Jahre variiert der zu zahlende Beitrag sowohl für die Haftpflichtversicherung wie auch für Teil- oder Vollkasko zum Teil erheblich. Unabhängig von der Wahl der Schadendeckungsart spielen auch die Zahlungsweise des Versicherungsnehmers (monatlich, viertel-, halbjährlich oder jährlich), die Einteilung nach Typen- oder Regionalklassen, das Alter und Geschlecht des Fahrers wie auch der Wohnort bzw. Zulassungsbezirk eine entscheidende Rolle bei der Höhe der zu leistenden Versicherungsprämie.

Natürlich bieten alle Versicherungsunternehmen aber auch Rabatte an, beispielsweise einen Garagenrabatt, falls der Pkw in einer Garage untergebracht ist. Rabatte gibt es häufig auch je nach gefahrenen Kilometern (Wenigfahrer-Rabatt), Anzahl der Fahrer (Partner-Rabatt) oder für Familien mit Kindern (Familienrabatt). Nicht jede Versicherung bietet jeden Rabatt in der gleichen Höhe an, hier lohnt sich ein Nachfragen bei der Versicherung.

Typenklassen in Deutschland

Unter Typklasse oder Typenklasse versteht man die jährliche Einteilung der Versicherungen nach statistischer Wahrscheinlichkeit von Schäden bei einem Fahrzeugtyp. Je nachdem ob man sein Auto mit dem gesetzlichen Minimum (Kfz-Haftpflichtversicherung) absichert oder auf Erweiterungen des Versicherungsschutzes (Teil- oder Vollkasko) zurückgreift, können Unterschiede bezüglich der Ab- oder Hochstufung beobachtet werden. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gibt jährlich im Typklassenverzeichnis heraus, das aufgrund besserer Vergleichbarkeit seitens der Versicherungsnehmer für alle Versicherungsgesellschaften bindend ist.

Schadenfreiheitsklassen in Deutschland

Neben der Typenklasse spielt auch die Schadenfreiheitsklasse eine große Rolle bei der Höhe des Versicherungsbeitrags. Die Schadenfreiheitsklasse richtet sich nach der unfallfrei gefahrenen Zeit während der Zeit als Versicherungsnehmer. Je länger man also fährt und je länger man unfallfrei fährt, desto günstiger werden die Beiträge. Für Fahranfänger bedeutet das, dass sie die höchsten Prämien, meist 240% des eigentlichen Beitragssatzes, zahlen müssen. Die günstigsten Beitragssätze zahlen Fahrer, die bereits viele Jahre ohne einen Unfall fahren. Die Schadenfreiheitsklasse wird auch gern als Schadenfreiheitsrabatt bezeichnet. Ist doch einmal ein kleinerer Unfall geschehen, wird man aber nicht automatisch herabgestuft: Die Herabstufung droht erst für das nächste Versicherungsjahr, sie kann aber auch umgangen werden. Entweder zahlt man kleinere Unfall-Schäden aus der eigenen Tasche und schaltet die Versicherung dabei nicht ein oder man verfügt über einen sogenannten Rabatt-Retter: Gegen einen kleinen Aufschlag auf den Versicherungsbetrag zeigt sich die Versicherung kulant und regelt kleinere Unfälle auch ohne dass die Versicherungsbeiträge im nächsten Jahr steigen.

Wechselt man seine Kfz-Versicherung, können Schadenfreiheitsrabatte ohne Verlust zur neuen Versicherung übertragen werden.

Voraussetzungen zur Kfz-Versicherung

Um eine Kfz-Versicherung abschließen zu können, sind natürlich sowohl in den USA als auch in Deutschland einige Voraussetzungen zu erfüllen. Worum es sich im Einzelnen handelt, erfahren Sie im Folgenden.

Voraussetzung zur Kfz-Versicherung in Deutschland

Wer in Deutschland eine Kfz-Versicherung abschließen möchte, der muss nachweisen können, dass er im Besitz des Fahrzeuges ist, das versichert werden soll. Das Mindestalter für den Abschluss einer Kfz-Versicherung beträgt 18 Jahre, da man in Deutschland erst dann uneingeschränkt geschäftsfähig ist. Der Versicherungsnehmer muss nicht zwingend deutscher Staatbürger sein, seine Versicherung jedoch muss eine Vertretung in Deutschland vorweisen können.Achtung: Um ein Auto kaufen zu können, ist ein in Deutschland gültiger Führerschein notwendig. Für das Umschreiben von US-amerikanischen Führerscheinen sollten Sie zwei bis drei Wochen einplanen. Je nachdem, in welchem US-Bundesstaat der Führerschein erworben wurde kann es sein, dass eine theoretische oder auch noch einmal eine praktische Prüfung in einer deutschen Fahrschule abgelegt werden muss. Genaue Informationen hierzu erhalten Sie beispielsweise bei den deutschen Zulassungsstellen.

Voraussetzung zur Kfz-Versicherung in den USA

Um eine der zahlreichen Versicherungsvarianten in den USA abschließen zu können, muss der Versicherungsnehmer häufig eine Driver License, also einen amerikanischen Führerschein, vorlegen können. Die amerikanische Fahrerlaubnis wird allerdings erst dann ausgestellt, wenn man in den USA für mindestens drei Monate einen ständigen Wohnsitz nachweisen kann.Andere Assekuranzen versichern auch gegen Vorlage eines internationalen Führerscheins, dies jedoch zu entsprechend hohem Prämienaufschlag. Je jünger man ist, desto teurer wird auch die Versicherung. Vor allem unter 21jährige müssen sich auf hohe Aufschläge gefasst machen. Dasselbe gilt für Versicherungsnehmer über 65 Jahren. Da man in den meisten Staaten praktisch vor dem Einsteigen ins Auto versichert sein muss, gilt es den Vertrag schon vor der Abreise in Deutschland in einer deutschen Vertretung einer US-amerikanischen Assekuranz abzuschließen.

Amerika Flagge

Das US Insurance System

Da das Verkehrsrecht in den USA kein Bundesrecht ist, sondern in den Händen der einzelnen Bundesstaaten liegt, unterscheiden sich die Staaten zum Teil nicht nur hinsichtlich der Führerscheinvergabe, sondern auch in Bezug auf die Kfz-Versicherung. Viele der Bundesstaaten sehen eine Kfz-Haftpflichtversicherung ganz ähnlich wie die in Deutschland vor. In einigen dieser Staaten kann es vorkommen, dass Fahrzeughalter eine jährliche Strafgebühr in Höhe von mehreren Hundert Dollar entrichten müssen, falls sie nicht versichert sind.Die großen Versicherer Allstate, Progressive, Geico und State Farm bieten dem deutschen System ähnliche Tarife an. Sie unterscheiden meist zwischen standard cover und extra risks cover, also dem Standardschutz und einer Versicherung mit besonderer Risikoabdeckung. Je nach Tarif werden häufig auch Rechtsschutz, Mitfahrerversicherungen usw. angeboten. Außerdem unterscheiden US-Versicherer noch zwischen Personen- und Sachschäden bzw. kann der Versicherungsnehmer entsprechend wählen, was er in welcher Höhe abdecken möchte. Man ist also nicht verpflichtet, erst die Schäden Dritter und dann die eigenen zu versichern.

Die generell veranschlagte Deckungssumme entspricht in keiner Weise dem aus Deutschland gewohnten Standard. Gerade in Anbetracht der hohen Entschädigungsforderungen bei Sach- und Personenschäden in den USA versteht man wahrscheinlich besser, dass bei umfassendem Schutz die Prämien entsprechend hoch sind. Immer wieder im Gespräch sind für ein Jahr gültige Kfz-Plaketten, die die Versicherungen ausgeben sollen, um versicherte Verkehrsteilnehmer zu identifizieren.

Compulsory / Mandatory State Insurance

Beschäftigt man sich mit dem US-amerikanischen System der Kfz-Versicherung, trifft man immer wieder auf die Bezeichnungen Compulsory oder Mandatory State Insurance, also „verpflichtende“ oder „obligatorische“ staatliche Versicherung. Diese Bezeichnung ist bereits ein Hinweis darauf, wie es sich hier mit der Kfz-Versicherung verhält: In den meisten Bundesstaaten ist zumindest eine grundlegende Kfz-Versicherung verpflichtend, die in ihren Grundzügen der Deutschen ähnelt. Diese Pflichtversicherung (third-party risk insurance) deckt wie die deutsche Kfz-Haftpflichtversicherung Schäden gegenüber Dritten bis zu einer Höhe von 50.000 Dollar ab. Das ist insofern bemerkenswert als dass die Kosten für Unfälle mit Personenschäden, bei denen ein Mensch ums Leben kommt oder bei denen ein Unfallbeteiligter unter gesundheitlichen Folgeschäden des Unfalls leidet, leicht sogar die Millionengrenze sprengen können – nicht umsonst schreibt das deutsche Pflichtversicherungsgesetz eine Mindestdeckung von 7,5 Millionen Euro vor. In der Konsequenz bedeutet das also: In den USA, wo eine gute ärztliche Versorgung teurer ist, muss alles, was nicht durch die 50.000 Dollar gedeckt werden kann, aus eigener Tasche gezahlt werden, was natürlich kein Unfallverursachern gern und auch nicht immer freiwillig macht. So erklären sich auch die vielen Klagen auf Körperverletzung, bei denen immer wieder hohe Entschädigungssummen festgesetzt werden.Kann man als Fahrzeughalter keine Versicherung aufweisen, droht ein Bußgeld in Höhe von 500 Dollar und mehr, bei nochmaligem Vergehen gar das Doppelte und Führerscheinentzug bzw. im Extremfall gar Gefängnisstrafen.

Trotzdem weist die Statistik gut 15% nicht versicherter Fahrer auf. Anders als in Deutschland müssen beim Kauf und der Zulassung eines Pkws nämlich nicht unbedingt Versicherungsnachweise vorgelegt werden. Dies führt dazu, dass diejenigen, welche sich die hohen Prämien nicht leisten können, ohne Versicherungsschutz fahren.

In den beiden Bundesstaaten New Hampshire and Wisconsin existiert keine Versicherungspflicht. Aufgrund dieser Bundesstaaten aber auch aufgrund der vielen nicht versicherten Fahrer in den anderen Bundesstaaten ist schon länger eine Datenbank im Gespräch, die alle versicherten und nicht versicherten Fahrer zentral erfasst. Andere Überlegungen gehen in Richtung Unfallopfer-Hilfsfonds (unsatisfied judgment fund), der Hilfe bei Personenschäden leisten soll, wenn der Unfallverursacher nicht oder unzureichend versichert war.

No Claims Bonus und andere Rabatte

Der No-Claims-Bonus ist in etwa vergleichbar mit dem deutschen System der Schadensfreiheitsklasse. Auch hier gilt, dass der Versicherungsnehmer dafür belohnt wird, dass er ohne (selbst verschuldeten) Unfall durch den Verkehr kommt. Schneller als im deutschen System kann dieser Rabatt allerdings wieder wegfallen, wenn beispielsweise kleinere Schäden über die Versicherung reguliert werden sollen. Wer dem vorbeugen möchte, zahlt höhere Prämien, um sowohl kleine Schäden von der Versicherung zahlen zu lassen als auch den Bonus zu erhalten. Diese Regelung ist in etwa vergleichbar mit dem deutschen Rabattretter.Meist ist der Bonus personalisiert, d.h. nur auf den Versicherungsnehmer ausgeschrieben.
Andere Rabatte sehen vor, dass erfahrene Autofahrer ebenso mit Prämiennachlässen belohnt werden wie auch der Einbau von Alarmanlagen. Ein Rabatt lockt auch dann, wenn regelmäßige Fahrtrainings nachgewiesen werden können, beispielsweise ein Fahrsicherheitstraining oder ein Training zum defensiven Fahren. Auch werden Abschläge gewährt, wenn beispielsweise die Eltern von jungen Erwachsenen bis 25 Jahre Mitglied derselben Versicherung sind. Ebenso können Reparaturen bei Vertragswerkstätten zumindest dazu führen, dass ein eventueller Verlust von Rabattpunkten milder ausfällt.

Driving record

Der driving record ist in den USA etwa das, was in Deutschland das Verkehrszentralregister in Flensburg ist. Gespeichert wird er in der jeweiligen Melde- bzw. Führerscheinstelle. Je nach Verstoß werden Punkte vergeben, die das persönliche Register belasten. Der Unterschied zu Deutschland: Je höher die Punkteanzahl im driving record, desto höher die Kfz-Versicherungsprämie. Da die Kfz-Versicherungen das persönliche Register problemlos anfordern kann, fließen alle hier verzeichneten Verstöße in die Prämiengestaltung ein.

Insurance Service Office

Das Insurance Services Office (ISO) gibt Informationen für die Sach- und Haftpflichtversicherer in den USA heraus und bewertet verschiedene Fahrzeugtypen mit Punktzahlen zwischen 3 und 27. Unter anderem auch auf Grundlage deren Statistiken und Punktvergabe bezüglich Diebstahl, Preise für Ersatzteile etc. werden dem deutschen ähnliche Typklassen erstellt. Diese Klassifizierung nutzen viele Versicherer als Grundlage zur Berechnung ihrer Prämien, sie sind allerdings nicht zwingend dazu verpflichtet.