Telematik-Tarife: Pay-as-you-drive als Option für die Zukunft


Telematik


Das sagt die Stiftung Warentest

  • Technik Interessant ist Telematik für technikbegeisterte Autofahrer, die Spaß daran haben, jederzeit ihre Fahrweise und die Strecken am Computer oder Handy nachvollziehen zu können und für Vergessliche, die über die Funkortung ihren Parkplatz wiederfinden können.
  • Ersparnis Ob Ihnen ein Telematik-Tarif in der Autoversicherung eine Ersparnis bringt, kann nur ein individueller Preisvergleich für Ihren Fall zeigen. Wir bieten den Service für 7,50 Euro in unserer Kfz-Analyse.
  • Daten Wer Telematik ablehnt, um nicht zum gläsernen Autofahrer zu werden, muss wissen: Er ist längst Einer. Moderne Pkw sammeln jede Menge Daten, die weit über das hinausgehen, was die Telematikbox erfasst. Die Hersteller sagen nicht, wie viel davon sie auslesen und wofür sie die Daten verwenden.

Verschiedene Anbieter, verschiedene Optionen


Sparkassen Direktversicherung
Tarif: S-Drive, bisher auf 1.000 Einheiten begrenzt, alle vergriffen, Warteliste


VHV-Versicherungen
Tarif: Telematik, keine Begrenzung, es muss ein KFZ-Vertrag bei der VHV bestehen


Allianz
Tarife: B-, C- & E-Call


Axa
Telematik-Tarif ab Ende 2015  geplant


Signal Iduna
Unter der Marke „Sijox“  mit „Appdrive“. Richtet sich vor allem an junge Fahrer.


Es muss klar ersichtlich sein, was alles aufgezeichnet wird und nach welchen Kriterien es zur Berechnung der Prämie herangezogen wird.“ Außerdem müsse wissenschaftlich erwiesen sein, dass das, was die Prämie erhöht, auch erwiesenermaßen schlechtes Fahrverhalten ist. „Ist ein sportlicher Start an der Ampel tatsächlich verkehrsgefährdend? Und wenn ja, wie sehr?“


Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg


Wenn die Möglichkeit der Rekonstruktion dem Versicherungsnehmer sogar über ein Internet-Portal oder eine Smartphone-App eingeräumt wird, ergeben sich zusätzliche Überwachungsgefahren.“


Peter Schaar, Bundesbeauftragter für Datenschutz


Jeder Verbraucher sollte bedenken, dass er damit absolut unter Kontrolle ist.“


Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW


Studien


Seit einigen Jahren wird in Bezug auf die Kfz-Haftpflichtversicherung verstärkt über Tariflösungen diskutiert, bei der die Prämie individuell nach der Art des Fahrverhaltens berechnet wird. Telematik-Tarife in der Autoversicherung verfolgen die Maxime “Pay as you drive”. Vorsichtiges Fahren wird in einem Kfz-Telematik-Tarif somit durch Beitragsnachlässe belohnt. Der Umfang an Daten, der in diesem Zusammenhang erhoben wird, ist bei einigen Verbraucherschützern allerdings umstritten.



So funktioniert die KFZ-Telematikversicherung

  • Es werden Daten zur Sicherheit des individuellen Fahrverhaltens (z.B. die Einhaltung von Geschwindigkeitsbegrenzungen) und der zurückgelegten Kilometer erfasst. Dies kann entweder über eine im Autoinnen- oder Motorraumraum verborgene, kleine Blackbox oder über ein modernes Smartphone per App erfolgen. Alternativ besteht auch die Möglichkeit des direkten Zugriffs auf die Elektronik des Fahrzeugs. Dies hängt von dem im Auto verbauten Kommunikationssystem und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten ab.

  • Sofern kein direkter Zugriff auf die Fahrzeugelektronik besteht, werden die erhobenen Daten in anonymisierter Form bei einem Mobilfunkdienstleister gespeichert.

  • Der Dienstleister übermittelt einen durchschnittlichen Punktewert zum Fahrverhalten über sein Netz an die Versicherung.

  • Die Assekuranz wertet die erhaltenen Daten aus und verknüpft sie mit den ihr vorliegenden persönlichen Daten des Kfz-Versicherten. Die Einsicht der spezifischen Daten wie z.B. das Ziel der Fahrten ist ausschließlich dem Kunden vorbehalten. Die Speicherung von Fahr- und Kundendaten erfolgt also separat.

  • Die mit Telematik-Tarifen verbundenen Kontrollmöglichkeiten könnten sowohl von Eltern wahrgenommen werden, die die Fahrten ihrer Kinder überprüfen möchten, als auch durch den Arbeitgeber gegenüber einem im Außendienst tätigen Angestellten.


Was sind Telematik-Tarife?

  • Infografik Telematik

Antworten auf häufige Fragen


In Deutschland sind Telematik-Tarife in der Kfz-Versicherung seit dem 1. Januar 2014 auf dem Markt. Das Versicherungsmodell wird hierzulande mit Blick auf den Datenschutz noch vielfach kritisch betrachtet und gegenwärtig nur von wenigen Versicherern im Rahmen von Testphasen angeboten. Dagegen werden Pay-as-you-drive-Tarife in Großbritannien, den USA und Italien bereits breitflächig angenommen und als Mittel zur positiven Beeinflussung des Fahrverhaltens angesehen.

Das Gesamtwertung – genannt “Score”  – umfasst ein Maximum von 100 Punkten und lässt sich mit prozentual unterschiedlichen Gewichtungen in die vier Kategorien Stadt- und Nachtfahrten, Fahrweise und Geschwindigkeit aufschlüsseln. Schafft es der Fahrer durch die Anpassung seines Stils bei über 80 Punkten zu bleiben, erhält er im darauffolgenden Jahr 5 Prozent Rabatt auf die Jahresrechnung seiner Kfz-Versicherung. Sogar bis zu 30 Prozent Rabatt sind möglich, allerdings bislang nicht in Deutschland, sondern in den USA. Laut Medienberichten ist die Häufigkeit der Schäden von US-Autofahrern in diesen Tarifen um 35 bis 40 Prozentpunkte zurückgegangen.

Nach aktuellem Stand sind keine gesetzlichen Vorgaben für einen konkreten Zeitrahmen, in dem die erfassten Daten gespeichert werden dürfen, vorgesehen. Laut der Stiftung Warentest befindet sich ein Anbieter bei der Gestaltung seines Systems in Abstimmung mit der Behörde für Landesdatenschutz. Die Datenlöschung bis zum 30. Juni des nachfolgenden Jahres wird hier zugesagt.

Das muss die Zeit zeigen. Es wird allerdings vermutet, dass bei einem Erfolg der Telematik-Versicherung vorwiegend zurückhaltende Fahrer auf diese Option zurückgreifen. Die klassischen Kfz-Tarife könnten teurer werden, wenn dort prozentual mehr Fahrer versichert sind, die ein vergleichsweise hohes Unfallrisko aufweisen.

Laut Stiftung Warentest ist mit einem entsprechenden Preisanstieg bei Neuwagen um ca. 100 Euro zu rechnen. Hierbei handelt es sich um die Kosten für das E-Call-System. Nach aktuellem Stand werden keine zusätzlichen Kosten für Notrufe anfallen.


Telematik


Telematik-Tarife: Vier Neuheiten – vier Vorteile?

Der Nutzen für den Telematik-Versicherten soll sich Beitragsersparnis: Liegt der erfasste Durchschnittswert zu dem Fahrverhalten des Versicherten über einem bestimmten Niveau, wird ihm im nachfolgenden Jahr ein bestimmter Prozentwert bei den Kfz-Beiträgen erlassen. Auf das Fahrverhalten zurückgehende Nachzahlungen sind nicht vorgesehen.


Sicherheitsaspekt: Ab Oktober 2015 soll die Umstellung auf das E-Call-System durch die Europäische Union erfolgen. Hinter dem System verbirgt sich die verbindliche Integration einer Box mit Telematik-Funktion in jedem Neuwagen. Ein Unfall würde dann stets mit der automatischen Anforderung eines Notarztfahrzeugs über das Handynetz einhergehen. Auf diese Weise kann wichtige Zeit bei der Bergung und Rettung eines bewusstlosen Betroffenen eingespart werden. Unter anderem dieser direkte Kommunikationsweg zwischen Unfallfahrzeug und Rettungsdienst unterscheidet das E-Call-System von bereits existierenden Notruffunktionen, die einige Autohersteller bereits für ihre Fahrzeuge anbieten.


Schutz vor Diebstahl und mehr: Ein gestohlenes oder falsch geparktes Auto stets Daten über sein erfasstes Fahrtverhalten abrufen und daraufhin ggf. Konsequenzen ziehen.


Wer profitiert?

Von dieser Art der Abrechnung können vor allem Autofahrer profitieren, die wenig, sehr achtsam oder ausschließlich in ländlichen Regionen fahren. Dies bedeutet für sie, ihre Versicherungsbeiträge senken zu können.


Bereits existierende Notrufsysteme bei verschiedenen Autoherstellern


Deutsche Autohersteller Internationale Autohersteller 
BMWBMW bezeichnet seinen Telematik-Dienst als “Connected Drive”. Die Kommunikation im Notfall findet über eine installierte Telefoneinheit statt, die den Notruf an ein Callcenter von BMW übermittelt. Parallel besteht die Möglichkeit, den Notruf manuell auszulösen.FordDas Ford-Kommunikationssystem trägt den Namen Sync. Abgesetzte Notrufe werden nicht an ein Callcenter sondern laut einem Konzernsprecher auf unmittelbarem Weg an die Notrufzentralen transferiert. Um das Fahrzeug orten zu können, ist ein GPS-Modul fest installiert.
MercedesDer Notruf, der über Mercedes-Fahrzeuge ausgesendet wird, ist Bestandteil des Multimediasystems mit der Bezeichnung “Comand Online”. Das System ist aufpreispflichtig und wird den Kunden bereits seit einigen Jahren angeboten.General MotorsDas GM-System ist bereits seit 1996 im Einsatz und trägt den Titel “OnStar”. Ein Notruf wird über ein LTE-Modem übermittelt, sobald ein Fahrzeug-Airbag ausgelöst wird. Zu den weiteren System-Funktionen gehört die Möglichkeit, ein Fahrzeug extern durch ein Callcenter öffnen zu lassen. Dies kann einen Fahrer unterstützen, der nicht mehr ins Fahrzeuginnere gelangen kann.
VW / AudiIn der Vergangenheit hat es bereits Versuche mit Notrufsystemen, die “eCall” ähnlich waren, in verschiedenen VW-Fahrzeugmodellen gegeben. Nach Medienberichten wird aller Voraussicht nach Audi ab 2015 ein System anbieten, das mit “eCall” zu vergleichen ist.VolvoDas Volvo-Kommunikationssystem ist unter “OnCall” bekannt und gegen Aufpreis erhältlich. Es wird seit 2001 angeboten und beinhaltet verschiedene Telematik-Funktionen. Die Notrufautomatik ist eine davon. Es besteht z.B. auch die Möglichkeit, extern Flüssigkeitsstände des Fahrzeugs abzufragen. Im Falle eines Diebstahls kann das Auto mit Hilfe von Geo-Daten lokalisiert und mittels Motor-Deaktivierung außer Kraft gesetzt werden.
Citroën/PeugeotDie entsprechenden Kommunikationssysteme werden bei dem französischen Hersteller Citroën als “Citroën Notruf” und bei der PSA-Konzernschwester Peugeot als “Connect SOS” bezeichnet. Die Standortposition kann mit diesen Systemen sowohl für Notfälle als auch für die Pannenhilfe ermittelt werden, ebenso wie dies bei anderen Herstellern der Fall ist.