Schadenfreiheitsklasse: Unfallfrei fahren und Geld sparen

Schaden

Stufen der Schadenfreiheitsklassen

Die Abstufung der Schadenfreiheitsklassen richtet sich nach den Jahren, in denen unfallfrei gefahren wurde. Während Fahranfänger in der Klasse 0 (SF 0) starten, erhält ein Autofahrer beispielsweise nach zehn Jahren ohne gemeldete Zwischenfälle die Schadenfreiheitsklasse 10 (SF 10). Mit jedem unfallfreien Jahr erhält der Versicherungsnehmer daraufhin einen Beitragsnachlass, der allerdings von Unternehmen zu Unternehmen variiert. In älteren Versicherungsverträgen werden häufig 25 Klassen angeboten, während neuere Verträge bereits bis zur Schadenfreiheitsklasse 35 reichen.

Eine KfZ-Haftpflichtversicherung sollte für jeden Besitzer und Fahrer eines Kraftfahrzeuges selbstverständlich sein. Doch die Kosten für das eigene Auto und dessen Versicherung schnellen oft unkontrolliert in die Höhe. Durch das System der Schadenfreiheitsklassen können allerdings mit jedem unfallfreien Jahr anteilig Beiträge eingespart werden.


Erfahrung hat noch niemandem geschadet, allerdings zahlt sie sich im Bereich der KfZ-Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung wortwörtlich aus. Denn je länger Autofahrer bei ihrer Versicherung als unfallfrei gemeldet sind, umso höher ist das Einsparpotenzial ihrer Versicherungsprämie. Einzig Fahranfänger müssen den vollen Betrag für ihre Versicherung zahlen, doch bereits nach dem ersten unfallfreien Jahr können auch sie von einer Hochstufung profitieren.

Voraussetzungen: Hochstufung und Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse

Die Hochstufung eines Versicherungsnehmers kann nur dann erfolgen, wenn der Versicherungsvertrag das gesamte vergangene Kalenderjahr ohne Unterbrechung und ohne Schadenmeldung bestanden hat.

Wird allerdings ein Schaden gemeldet, werden die Betroffenen, abhängig von der Höhe des Schadens, um mindestens eine, häufig sogar um mehrere Klassen zurückgestuft. Bei der Meldung weiterer Schäden, verliert der Versicherungsnehmer weitere Schadenfreiheitsklassen. Die neue Schadenfreiheitsklasse gilt dann ab dem neuen Kalenderjahr.

Tipps und Tricks beim Schadenfreiheitsrabatt

Schließen Fahranfänger erstmals einen Versicherungsvertrag ab, werden sie von den Unternehmen in der SF 0 eingestuft. Wer allerdings nachweisen kann, dass er bereits seit 3 Jahren den Führerschein besitzt, erhält bei einigen Versicherern bereits die SF ½ und gilt als unechter Fahranfänger.

Um Fahrer mit einer hohen Schadenfreiheitsklasse (ab SF 25) im Falle einer Rückstufung aufzufangen, haben Unternehmen einen Rabattretter eingeführt. Mit diesem erfolgt dann zwar eine Rückstufung des Fahrers in eine niedrigere Klasse, allerdings zu gleichbleibenden Beiträgen. Mittlerweile bieten Versicherungen kaum noch Rabattretter an und wenn dann erst ab einer hohen Anzahl schadenfreier Jahre.

Im Gegensatz zum Rabattretter gilt der Rabattschutz bereits ab Schadensfreiheitsklasse 4 und soll eine Rückstufung in eine niedrigere Schadenfreiheitsklasse verhindern. Je nach Versicherer und Tarif bleibt die Klasse so auch bei ein bis drei Unfällen im Kalenderjahr erhalten.

Achtung: Bei einem Versicherungswechsel wird der Rabattschutz nicht übernommen. Die neue Versicherung stuft den Schadensfreiheitrabatt unter Berücksichtigung aller Unfälle ein, also auch solcher, die vom Rabattschutz gedeckt waren.

Rabattretter: Gut, wer einen hat!” Finanztest 02/2007

Die Rückstufung erfolgt immer nur bei der jeweils beanspruchten Versicherung. Obwohl die Schadenfreiheitsklassen sowohl in der Kfz-Haftpflichtversicherung als auch in der Vollkaskoversicherung gelten, werden die Versicherten nicht automatisch in beiden Verträgen zurückgestuft. Lediglich die Versicherung, die den Schaden reguliert hat, kann den Versicherten runterstufen.

Es kann sehr sinnvoll sein, kleinere Schäden aus eigener Tasche zu bezahlen. Häufig sind die Reparaturkosten zwar etwas höher, aber trotzdem deutlich geringer als die steigenden Beiträge durch den Verlust der Schadenfreiheitsklasse.

Für den Versicherer spielt es bei der Rückstufung keine Rolle, ob der Autofahrer einen Totalschaden oder eine winzige Delle verursacht hat“ Finanztest 02/2007

Beim Abschluss eines neuen Vertrags auf ein Fahrzeug lassen sich schadenfreie Jahre dritter Personen übertragen. Der neue Versicherungsnehmer muss das Fahrzeug zuvor jedoch häufig genutzt haben, ohne dass es auf ihn zugelassen war. Die abgetretenen Jahre dürfen zudem nicht die gefahrenen Jahre des neuen Versicherungsnehmers übersteigen und entfallen bei der abtretenden Person. Diese Regelung ist hilfreich, gilt allerdings nur für Familienangehörige, Ehe- bzw. Lebenspartner oder juristische Personen.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl neuer Versicherungsverträge, die statt bisher nur 25 Schadenfreiheitsklasse sogar 35 Klassen zu günstigeren Beiträgen anbieten. Allerdings dürfen sich Versicherungsnehmer nicht von den geringen Prozentsätzen täuschen lassen, denn letztlich zählt der tatsächliche Beitrag und die dafür erbrachten Leistungen.

Infografik zu Schadenfreiheitsklassen

  • Infografik Schadenfreiheitsklassen

Prämiennachlässe

Unter dem Begriff der weichen Nachlässe bestehen für den Versicherer zusätzliche Möglichkeiten, unter bestimmten Voraussetzungen weitere Rabatte in die Prämienberechnung einzubeziehen. Die Höhe der Nachlässe ist bei den Versicherern mitunter verschieden und zudem von der Art des Nachlasses abhängig. Zulässig sind diese Nachlässe jedoch nur bei Personenkraftwagen, Campingfahrzeugen und Motorrädern. Weitere Bedingungen sind ein Mindestalter von 25 (neuerdings bei einigen Versicherern nur 23) Jahren – wobei der Versicherungsnehmer, nicht etwa das Fahrzeug gemeint ist – und die Zulassung des Fahrzeuges auf eine private Person (ausgeschlossen sind in der Regel juristische Personen, also Firmen).

Möglichkeiten für Nachlässe

1

Bei der alleinigen Nutzung des Fahrzeuges durch Sie bzw. der gelegentlichen Nutzung durch einen Partner

Voraussetzung ist, dass auch der Partner ein Mindestalter von 25 (bzw. 23 – siehe oben) Jahren aufweist. Es existieren teilweise unterschiedliche Nachlasshöhen für Männer und Frauen.
2

Beim Vorhandensein einer Garage

Bedingung ist hierbei, dass das Fahrzeug nachts in einer Garage steht. Bei den Versicherern gibt es Unterschiede in der Anerkennung von Garagen. Einige erkennen Sammelgaragen für die Nachlassgewährung an, andere dagegen nicht.
3

Bei einem geringen Kilometerverbrauch, d.h. Wenigfahrer

Als häufigste Obergrenze des jährlichen Kilometerverbrauchs sind 9.000 Kilometer zu finden. Einige Versicherer bieten eine zweite Nachlassstufe an, die sich zwischen 9.000 und 12.000 Kilometern befindet. Hierbei ist die Nachlaßhöhe geringer. Dagegen existiert aber auch ein Vielfahrerzuschlag, der meist ab 30.000 gefahrenen Kilometern im Jahr berechnet wird.
4

Bei einem Fahrzeugalter nicht älter als 3 Jahre

Bei vielen Versicherern gibt es ab einem Fahrzeugalter von 7 Jahren hingegen sogar einen Zuschlag auf die Prämie.

Sonstiges

Mittlerweile haben die Versicherer weitere Nachlassvarianten in ihre Überlegungen einbezogen. So können Sie bei einzelnen Unternehmen Nachlässe für ihre Kraftfahrzeugversicherung erhalten, wenn Sie eine Gebäudeversicherung bei dem gleichen Unternehmen abgeschlossen haben. Diesem Beispiel folgend, werden auch noch andere Varianten auf dem Markt angeboten.

Rückstufung

Wer im Rahmen der eigenen Fahrpraxis über eine entsprechende Erfahrung verfügt und auf eine große Zahl an unfallfreien Jahren zurückblicken kann, wird sich in jedem Fall darüber freuen, dass mit jedem dieser einzelnen Jahre die Beiträge zur Kfz-Versicherung sinken. Verantwortlich für eine solche Beitragssenkung ist die Einstufung in immer höhere Schadensfreiheitsklassen, mit denen sich die Berechnungsgrundlage für die monatlichen Beiträge immer günstiger entwickelt. Handelt es sich etwa um den Schadensfreiheitsrabatt mit der Bezeichnung SF 10, hat der Inhaber dieser entsprechenden Police in den letzten 10 Jahren der Versicherung keinen Schadensfall gemeldet. Jede dieser Klassen repräsentiert innerhalb der internen Berechnungsverfahren für die Versicherungsprämien einen bestimmten Prozentsatz, welcher durch die Versicherungen den einzelnen Rabatten zugewiesen wird.

Verursacht der betreffende Halter mit dem Pkw einen Unfall, so wird er in der Regel innerhalb der Schadensfreiheitsrabatte wieder zurückgestuft, was nichts anderes bedeutet, als dass die Klasse sinkt. Inwiefern sich diese Rückstufung auf die Berechnung der Beiträge auswirkt, hängt stark von den einzelnen Versicherern ab. Zudem spielt die Unfallfrequenz eine bedeutende Rolle. Wer öfter für Kollisionen im Straßenverkehr sorgt, muss sich mit einer deutlichen Beitragssteigerung in dem folgenden Jahr einstellen. Droht bei einem Unfall die Rückstufung von der SF 10 in SF 4, so landet der Fahrzeughalter nach zwei Schadensfällen bereits wieder in der Schadensfreiheitsklasse 1. Allerdings lässt sich eine solche Rückstufung verhindern.

Gerade bei einer sehr langen unfallfreien Phase rechnet es sich durchaus, wenn der betroffene Halter den Schaden aus eigener Tasche finanziert. Diese Möglichkeit besteht selbst dann, wenn die Haftpflichtversicherung bereits den Schaden übernommen hat. Bis zu einem halben Jahr nach einem Unfall kann der Schaden durch den Pkw-Besitzer quasi zurückgekauft werden. Zudem bieten einige Versicherungen so genannte Rabattretter an, mit deren Hilfe sich eine Rückstufung verhindern lässt. So ist es durchaus möglich, trotz Unfall auch in Zukunft in der alten Schadensfreiheitsklasse unterwegs zu sein.