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Arbeitslosenversicherung 2017-04-04T14:24:49+00:00

Informationen zur Arbeitslosenversicherung in Deutschland

Die Gesetzliche Arbeitslosenversicherung ist eine Pflichtversicherung in Deutschland, die übergreifend auch als Versicherungszweig der Arbeitsförderung beschrieben wird. Als Bestandteil des Sozialversicherungssystems wurde sie im Juli 1927 erstmals eingeführt. Ihr Ziel ist die materielle und soziale Absicherung nach dem Verlust des Arbeitsplatzes oder während einer längeren Suchphase auf dem Arbeitsmarkt.

Arbeit am Schreibtisch

Träger der Arbeitslosenversicherung ist die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, der die Bezirksdirektoren sowie die örtlichen Agenturen für Arbeit unterstellt sind. Das zuständige Ministerium ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Gesetzliche Grundlage ist das Dritte Buch des Sozialgesetzbuches (SGB III).

Themen auf dieser Seite

Aktueller Beitragssatz und Beitragsbemessungsgrenze 2017

Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt 2017 3,0 Prozent des beitragspflichtigen Bruttoentgelts, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber paritätisch teilen. Bei versicherungspflichtigen Personen wird er gemeinsam mit den Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung und Pflegeversicherung sowie zur gesetzlichen Rentenversicherung abgeführt (Lohnabzugsverfahren).

Die Höhe des zu leistenden Arbeitslosenversicherungsbeitrags ist dabei bis zur aktuellen Beitragsbemessungsgrenze der Arbeitslosenversicherung begrenzt. Einkommen, die über dieser Einkommensgrenze liegen, werden nicht mehr zur Beitragsberechnung hinzugezogen. Die geltenden Bezugsgrößen in der Arbeitslosenversicherung 2017 haben wir rechts zusammengestellt.

Beitragsbemessungsgrenzen

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Monat (West)
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Jahr (West)
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Monat (Ost)
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Jahr (Ost)

Leistungen der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung

Die Leistungen der Arbeitslosenversicherung nach SGB III § 3 sind vielfältig. Sie richten sich an Arbeitnehmer, Arbeitgeber und an Träger.

Leistungen an Arbeitnehmer:

  • Berufsberatung sowie Ausbildungs- und Arbeitsvermittlung (Bewerbungskosten, Reisekosten etc.)
  • Förderung aus dem Vermittlungsbudget
  • Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung
  • Gründungszuschuss zur Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit
  • Berufsausbildungsbeihilfe
  • Förderung der beruflichen Weiterbildung
  • zusätzliche Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und diese ergänzende Leistungen, insbesondere Ausbildungsgeld, Übernahme der Teilnahmekosten und Übergangsgeld
  • Arbeitslosengeld während Arbeitslosigkeit, Teilarbeitslosengeld während Teilarbeitslosigkeit sowie Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung
  • Kurzarbeitergeld bei Arbeitsausfall
  • Insolvenzgeld bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers
  • Wintergeld
  • Transferleistungen

Leistungen an Arbeitgeber:

  • Arbeitsmarktvermittlung sowie Ausbildungs- und Arbeitsvermittlung
  • Eingliederungs- und Einstellungszuschüsse
  • Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung
  • Zuschüsse zur Vergütung bei einer Einstiegsqualifizierung
  • Erstattung von Beiträgen zur Sozialversicherung für Bezieher von Saison-Kurzarbeitergeld

Leistungen an Träger:

Versicherungspflicht in der Arbeitslosenversicherung

Die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbständige und Freiberufler

Selbständige, Pflegepersonen und Arbeitnehmer, die im Ausland tätig sind, können sich freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern. Aufgrund einiger gesetzlicher Hürden lohnt sich diese Absicherungsmöglichkeit aber vor allem für Personen vor der Existenzgründung, die aus einer Festanstellung kommen oder aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen. Folgende Voraussetzungen müssen vor dem Abschluss einer sogenannten Freiwilligen Weiterversicherung gegen Arbeitslosigkeit erfüllt sein:

  • Einzahlung in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung für mindestens zwölf Monate in den vergangenen zwei Jahren vor der Selbständigkeit
  • Aufnahme der Tätigkeit darf nicht länger als drei Monate (§28a Abs. 3 SGB III) zurückliegen
  • Antragstellung bei der Arbeitsagentur des Wohnortes
  • Nachweis über Tätigkeit (Gewerbeschein, Beleg von der Pflegekasse oder entsprechender Arbeitsvertrag)
  • Existenzgründer müssen keinen Nachweis erbringen

Die freiwillige Arbeitslosenversicherung gilt dagegen nicht für Personen, die:

  • sich gleich nach dem Studium oder ihrer Ausbildung selbständig machen und dementsprechend zuvor kein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis hatten
  • schon längere Zeit selbständig sind
  • zuvor Arbeitslosengeld II bekommen haben

Kosten für die freiwillige Arbeitslosenversicherung (West/ Ost)

Auf Basis der aktuellen Bezugsgrößen (West: 2.975 €/ Ost: 2.660 €) fallen folgende Kosten für die freiwillige Arbeitslosenversicherung an:

Selbstständige Existenzgründer Pflegende Auslandsbeschäftigte
89,25 €/ 79,80 € 44,63 €/ 39,90 € 8,93 €/ 7,98 € 89,25 €

* im Jahr der Existenzgründung und bis zum Ablauf von einem Kalenderjahr nach dieser

Die private Arbeitslosenversicherung als zusätzliche Absicherung

Die private Arbeitslosenversicherung ist eine Zusatzversicherung für Arbeitnehmer und unter Umständen auch Selbständige, die im Falle einer unverschuldeten Arbeitslosigkeit zum Tragen kommt. Damit können Betroffene trotz Wegfall der Erwerbstätigkeit den Lebensstandard sowie finanzielle Verluste absichern.

Die Versicherungsleistung wird neben dem Arbeitslosengeld (ALG I und II) ausgezahlt und entspricht damit in seinem Wesen einer zusätzlichen Arbeitslosenversicherung. Die Kündigung muss dabei aber betriebsbedingt bzw. “unverschuldet” sein und darf “nicht erkennbar bevorstehen”. Private Versicherer bieten dazu verschiedene Versicherungs- und Leistungsumfänge für Versicherte an. Auch die Versicherungsdauer ist hier frei wählbar.

Euro

Das Arbeitslosengeld (ALG I) ist eine Versicherungsleistung der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung. Ein Anspruch besteht, wenn Personen folgende Voraussetzungen gemeinsam erfüllen:

  • Vorliegen einer Arbeitslosigkeit
  • Erfüllung der Anwartschaftszeit
  • persönliche Arbeitslosmeldung (Arbeitssuchendmeldung, Arbeitslosmeldung)

Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) sind Leistungen, die eine Grundsicherung für Arbeitssuchende gewährleisten soll, die nur wenige Leistungen aus der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung erhalten. Grund­sätzlich können alle erwerbsfähigen leistungs­berechtigten Personen im Alter von 15 bis zur Regelaltersgrenze zwischen 65 und 67 Jahren ALG II erhalten. Konkrete Ansprüche sind in den soge­nannten „Regelbedarfen“ festgelegt.

Ein privater Versicherungsschutz kann zwar mögliche Einkommenseinbußen auffangen, kommt in der Regel aber lediglich für die Differenz zwischen dem vor der Arbeits­losigkeit erhaltenen Nettoverdienst und dem gezahlten Arbeitslosengeld auf. Versicherte sollten daher genauestens abwägen, inwieweit die individuellen Kosten in einem angemessenen Verhältnis zu den Leistungen der privaten Arbeitslosen­versicherung stehen.