Änderungen rund um das Gesundheitswesen ab 2015

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Kaum ein anderer Wirtschaftszweig in Deutschland ist solch zahlreichen Reformen und Dynamiken unterworfen wie die Gesundheitswirtschaft.

Durch staatliche Eingriffe in das Gesundheitswesen müssen sich nicht nur die Leistungsträger, sondern auch die Versicherten stets neuen Rahmenbedingungen anpassen.

Nahezu jedes Jahr müssen sich die beteiligten Akteure daher mit einer ganzen Reihe von Änderungen, neuen Gesetzen oder Verordnungen rund um die Krankenkassen, die Gesundheit und allgemein den Bereich der Sozialabgaben auseinandersetzen. Dabei greifen diese Änderungen oft in die persönlichen Gegebenheiten mit ein. Lesen Sie, was sich in diesem und kommenden Jahr im deutschen Gesundheits- und Rentensystem ändern wird oder bereits geändert hat.

EuroDie Einkommensgrenzen sowohl in der gesetzlichen Krankenversicherung als auch in anderen Sozialversicherungszweigen werden jedes Jahr mit Gültigkeit zum 1. Januar per Rechtsverordnung durch die Bundesregierung an die allgemeine Lohn- und Gehaltsentwicklung angeglichen. Übersteigt das sozialversicherungspflichtige Bruttoeinkommen eines Versicherten diese Beitragsbemessungsgrenzen, werden im jeweiligen Versicherungszweig nur bis zu dieser Bezugsgröße Beiträge fällig. Darüber liegende Einkommen bleiben unberücksichtigt. Die aktuellen Bemessungsgrenzen in der Sozialversicherung im Überblick:

Neue Bezugsgrößen in der Sozialversicherung

Sozialversicherungszweig Jährliche Grenze Monatliche Grenze
Krankenversicherung 2015: 49.500 Euro 2015: 4.125 Euro
Pflegeversicherung 2015: 49.500 Euro 2015: 4.125 Euro
gesetzliche Rentenversicherung 2015: 72.600 Euro (West)2015: 62.400 Euro (Ost) 2015: 6.050 Euro (West) 2015: 5.200 Euro (Ost)
knappschaftliche Rentenversicherung 2015: 89.400 Euro (West) 2015: 76.200 Euro (Ost) 2015: 7.450 Euro (West)
Arbeitslosenversicherung 2015: 72.600 Euro (West) 2015: 62.400 Euro (Ost) 2015: 6.050 Euro (West) 2015: 5.200 Euro (Ost)

Stärkung der Pflegeversicherung 2015

Im Jahr 2014 hat die Bundesregierung sehr viel an der Pflegeversicherung gearbeitet. So wurde beispielsweise das erste Pflegestärkungsgesetz verabschiedet, dass am 1.1.2015 in Kraft tritt. Folgenden Neuerungen wurden dazu beschlossen:

  • Steigerung des Beitragssatzes um 0,3 Prozent auf 2,35 Prozent (Kinderlose: 2,6 Prozent) des versicherungspflichtigen Einkommens
  • Einführung des Pflegeversorgungsfonds
  • mehr Leistungen im Pflegefall: Erhöhung der Sätze für Pflegegeld, Sachleistungen, Pflegehilfsmittel und den barrierefreien Umbau des Wohnraums
  • Verbesserungen bei der Pflegezeit für Angehörige

Im Zuge des zweiten Pflegestärkungsgesetzes wird es ab 2016 weitere Veränderungen geben. So sollen beispielsweise die drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt werden.

Erneut Zusatzbeiträge – Etwa 50 Millionen Versicherte sind betroffen

Der einheitliche Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung sinkt zum 1.1.2015 von 15,5 Prozent auf 14,6 Prozent. Im gleichen Zuge müssen viele Krankenkassen aber wieder einen Zusatzbeitrag einführen, um den Beitrag aufzustocken. Dies wird abhängig von der Krankenkasse ein individueller Prozentsatz sein, der wie der Beitrag selbst direkt vom Bruttolohn des Versicherten abgezogen wird. Nach und nach veröffentlichen die einzelnen Krankenkassen momentan ihre geplanten Zusatzbeiträge.

Hier bestimmt die sogenannte Versicherungspflichtgrenze die Obergrenze, nach deren Überschreiten ein Wechsel in die private Krankenversicherung auch für Angestellte prinzipiell möglich ist. Aktuell ist dies nach einem Jahr kontinuierlichen Überschreitens möglich:

  • PKV-Einkommensgrenze 2014: 52200 Euro jährlich/ 4.350, 00 Euro monatlich
  • PKV-Einkommensgrenze 2015: 54.900 Euro jährlich/ 4.575, 00 Euro monatlich

Da sich die Rechengrößen zur Krankenversicherung verändert haben, steigt auch der maximale Arbeitgeberzuschuss zur gesetzlichen und privaten Krankenversicherung auf einen höheren Wert von aktuell 301,13 Euro im Monat.

FamilieAufgrund der Anpassung der Beitragsbemessungsgrenzen in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung verändern sich automatisch auch die zu leistenden GKV-Beiträge für freiwillig Versicherte Angestellte und Selbständige mit einem Bruttoeinkommen über der aktuellen Bezugsgröße. 2015 beträgt der Höchstbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung daher je nach Kasse 602,25 – 655,86 Euro zuzüglich der Pflegeversicherung. Während bei Angestellten dieser Betrag paritätisch zwischen Arbeitgeber (7,3 Prozent) und Arbeitnehmer (7,3 Prozent) aufgeteilt wird, zahlen Selbständige und Freiberufler diesen Versicherungsbeitrag allein.

Studenten

Neue Krankenkassenbeiträge für Studenten

Studenten, die nicht familienversichert sind oder das 25. Lebensjahr bereits überschritten haben, zahlen einen festen Krankenkassenbeitrag. Dieser sinkt leicht. Durch die individuellen Zusatzbeiträge der Krankenkassen wird sich dies jedoch wieder ausgleichen, im Zweifel kann es sogar teurer werden.

Abschaffung von Sozialausgleich und Kassen-Prämien

Bis zum Ende des Jahres 2014 gab es einen Sozialausgleich. Dieser sollte Geringverdiener vor zu hohen pauschalen Zusatzbeiträgen schützen. Aufgrund der neuen einkommensabhängigen Zusatzbeiträge wird dieser nun entfallen. Ebenso wird es keine Prämien für Versicherte von Krankenkassen mehr geben, die gut gewirtschaftet haben.

Weitere Neuerungen kurz zusammengefasst

  • Nur noch elekronische Gesundheitskarte: Zum 31.12.2014 läuft die Übergangsphase für die eGK aus, sodass ab 1.1.2015 nur noch diese akzeptiert werden.
  • Krankenhausreform ab 2015: In diesem Zuge sollte die materielle und personelle Austattung von Krankenhäusern verbessert werden.
  • „Institut zur Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen“: Dieses wird es ab Juli 2015 geben. Es soll die Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland verbessern.
  • Einführung des „ElterngeldPlus“: Für Geburten ab 1. Juli 2015 kann es künftig länger Elterngeld geben. Voraussetzung dafür ist, dass beide Eltern mindestens vier Monate gleichzeit in Teilzeit arbeiten.
  • Höhere Beiträge für Berufsunfähigkeitsversicherung: Ab 1.1.2015 sinkt durch das Lebensversicherungsreformgesetz der Höchtsrechnungszins. Dadurch kann es zur Verteuerung einiger Versicherungen kommen. Betroffen sein könnte auch die Berufsunfähigkeitsversicherung. Außerdem wird der Einstieg in diese Versicherungssparte schwieriger.
  • Enlastung für Hebammen: Hebammen, die nur wenige Geburten begleiten werden in Zukunft von den Krankenkassen unterstützt, um einer Überforderung durch die hohen Beiträge zur Berufshaftpflichtversicherung aus dem Weg zu gehen.