Erneut gerät die Verteilung der Gelder aus dem Gesundheitsfonds in die Kritik. Die Innungskrankenkassen (IKK) gaben ein wissenschaftliches Gutachten in Auftrag, deren Ergebnis auf der “14. Plattform Gesundheit” präsentiert worden ist. Das Resümee bestätigte bisherige Vermutungen: eine Reform des Morbi-RSA ist nötig.

Gesundheit ist ein hohes Gut. Um diese zu erhalten, da sind die meisten Experten sich einig, sollte ein möglichst gesunder Lebensstil geführt werden – mit viel Bewegung und Trinken, der richtigen Ernährung mit viel Gemüse und Obst, nicht rauchen und Alkohol in Maßen.

Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen Ihre Mitglieder im Rahmen ihrer Leistungen mit vielen Präventionsmaßnahmen, um einen solchen Lebensstil zu führen. Sie geben im Durchschnitt 4,16 € für präventive Angebote aus, die Innungskrankenkassen liegen mit 4,36 € pro Versicherten sogar darüber.

Wissenschaftler präsentieren Studie

Auf der Veranstaltung ”Plattform Gesundheit” des IKK e.V. mit mehr als 150 Teilnehmern aus der Gesundheitsbranche ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie zum Thema Prävention präsentiert worden. Von den IKKen beauftragt, untersuchte das Leipziger Wissenschaftliche Institut für Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung (WIG2) Präventionsanreize und deren Folgen sowohl in Hinblick auf medizinische, als auch volkswirtschaftliche Gesichtspunkte. Prävention lohnt sich nachweislich bei vielen Erkrankungen, so die einhellige Meinung der Wissenschaftler. Wer regelmäßig etwas für seine Gesundheit tut, erkrankt seltener neu und kostet seine Krankenkasse damit am Ende weniger.

Ergebnisse weisen Konflikt im jetzigen System nach

Das Resultat sollte für die Kassen zufriedenstellend sein, ist es aber nicht. Schuld daran hat der sogenannte Morbi-RSA – morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich – der soll eigentlich verhindern, dass Versicherungen mit vielen Alten und Kranken in eine finanzielle Schieflage geraten und vor allem Kosten für teure, schwerwiegende Krankheiten ausgleichen. Derzeit aber wird dieser übermäßig stark für sogenannte Volkskrankheiten wie Diabetis mellitus, Bluthochdruck oder Rückenleiden angewendet, obwohl genau diese Krankheiten durch präventive Maßnahmen deutlich verbessert werden können. Für die Kassen bedeutet das am Ende, dass sie wiederum geringere Deckungsbeiträge aus dem Gesundheitsfonds erhalten, denn die Versicherten sind dann ja gesünder und der Finanz-Bedarf somit geringer. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wird das für die Krankenkassen zunehmend zum Problem, im Jahre 2014 mussten sie beispielsweise über 40 Mio. Euro aus eigenen Mitteln bereitstellen.

„Widersinnig“ sei es, dass die Politik Prävention forcieren wolle „und gleichzeitig über den Morbi-RSA erkennbar falsche Anreize setzt“, so Jürgen Hohnl, Geschäftsführer des IKK e.V. “Die Innungskrankenkassen stünden auch weiterhin für Prävention und Morbi-RSA, eine Reform des Finanzausgleichs sei aber überfällig.”

Redaktion

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