Alternative Heilmethoden – Heilpraktiker setzen auf Akupunktur

Die Akupunktur ist ein Teilgebiet der traditionellen chinesischen Medizin und gehört zu den bekanntesten alternativen Heilmethoden. Sie basiert auf der chinesischen Auffassung, dass die Lebensenergie in Form zweier gegensätzlicher Strömungen (YIN und YANG) auf bestimmten Bahnen durch den Körper fließt.

Acupuncture

Diese Bahnen sind die Meridiane, auf denen bestimmte Akupunkturpunkte liegen. Fließen die Energien störungsfrei und sind die beiden Pole im Gleichgewicht, ist der Mensch gesund und ausgeglichen. Gestörter Energiefluss führt zu Missempfindungen, Schmerzen und auf Dauer zu schweren Krankheiten. Bei einem kranken Menschen sind die Lebensenergien nicht mehr im Gleichgewicht. Die Reizung der Akupunkturpunkte bewirkt, dass die Balance der Energien wieder hergestellt wird. Ufern die Energien aus, können sie wieder beruhigt werden. Ist der Energiefluss ins Stocken geraten, kann er mit Hilfe der Akupunkturpunkte wieder in Gang gebracht werden. So können Störungen und Krankheiten beseitigt oder Beschwerden zumindest gelindert werden. Die Stimulation der Akupunkturpunkte geschieht durch dünne Nadeln, die in die jeweiligen Punkte gestochen werden.

Schonende Behandlung durch Akupunktur

Die Durchführung der Akupunktur kann auf unterschiedlichem Wege und mit verschiedenen Hilfsmitteln erfolgen:

Akupunkturnadeln

  • Akupunkturnadeln sind sehr fein, so dass man kaum einen Schmerz spüren kann
  • der Einstich ist weniger spürbar als bei einer Spritze
  • für Kinder ab acht Jahren geeignet

Akupunktur-Laser

  • für Kinder unter acht Jahren geeignet
  • für Patienten, deren Furcht vor einem schmerzhaften Einstich der Nadeln zu groß ist
  • die Akupunkturpunkte werden mit dem gebündelten Licht des Lasers stimuliert

Wirkt Akupunktur? Wissenschaftliche Analysen

Es ist immer noch nicht zweifelsfrei und wissenschaftlich fundiert nachgewiesen, wie Akupunktur funktioniert und was die Behandlung im menschlichen Körper bewirkt. Doch durch ständige Überprüfungen und Studien kommt man der Sache immer näher. Nachgewiesen ist, dass durch die Stimulation der Akupunkturpunkte im Gehirn bestimmte Substanzen freigesetzt werden. Diese Stoffe können schmerzlindernd und stimmungsaufhellend wirken. Durch die modernen Methoden der Kernspintomographie ist festgestellt worden, dass durch Akupunktur bestimmte Hirnbereiche aktiviert werden.

Chinesische Studien kommen durchweg zu positiven Ergebnissen. Doch sind diese Untersuchungen nicht nach üblichen wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt worden, ohne Stichprobenauswahl oder Kontrollgruppen. Die umfangreichsten Untersuchungen zur Wirksamkeit der Akupunktur waren die 2002 gestarteten deutschen Gerac-Studien (German acupuncture trials). In diesen Studien wurde die Wirksamkeit der Akupunktur beispielsweise in Bezug auf chronische Kopfschmerzen als „effektive und risikoarme Ergänzung des therapeutischen Konzepts“ bezeichnet. Allerdings waren die Behandlungen mit der sogenannten „Scheinakupunktur“ kaum weniger wirksam. In diesem Zusammenhang bedeutet „Scheinakupunktur“, dass nicht in die festgelegten Akupunkturpunkte eingestochen wurde.

Pro und Kontra der Akupunkturtherapie

Das gab wieder Anlass zu kontroversen Äußerungen. So schloss Professor Hans-Christoph Diener aus diesen Ergebnissen, die Ärzte sollten „die teuren Akupunkturkurse sparen. Sie können die Nadeln einfach irgendwohin stechen.“ Dagegen sagen die Befürworter, dass die Meridiane eben nicht nur einen Millimeter im Durchmesser haben. Die Akupunkturpunkte sind nach dieser Auffassung auch eher Kreise mit einem sehr effektiven Zentrum. Sie bekräftigen diese Meinung mit einem sportlichen Vergleich: Ein Fußball gehört ins Tor, und ob er nun genau die Mitte oder außerhalb des Mittelpunktes trifft – das Ergebnis ist das selbe.

Erfolgreiche Anwendungen zu verzeichnen

In jedem Fall verzeichnet die Akupunkturbehandlung Erfolge. Innerhalb der bereits erwähnten Gerac-Studien gab es eine Teiluntersuchung. 1000 Patienten mit schmerzhaften Kreuz- oder Knieproblemen wurden in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe wurde mit Akupunktur nach den Regeln der chinesischen Medizin behandelt, die Mitglieder der zweiten Gruppe erhielten eine Scheinakupunktur. Die dritte Gruppe wurde nach Methoden der Schulmedizin mit Gymnastik, Massagen und Medikamenten behandelt.

Die Ergebnisse bei den Rückenbeschwerden: Nach sechs Monaten Schulmedizin-Therapie hatten sich nur bei 25 Prozent der Patienten Schmerzen und Beweglichkeit gebessert. Die Mitglieder der traditionellen Akupunktur-Gruppe hatten sich dagegen zu 47,6 Prozent verbessert, und die Erfolge der Scheinakupunktur-Behandlungen lagen mit 44,2 Prozent nur wenig darunter. Ähnliche Ergebnisse brachten auch die Behandlungen bei Knieproblemen.

Auch in anderen medizinischen Bereichen zeigt die Akupunktur ihre Erfolge. So belegen beispielsweise viele wissenschaftliche Studien, dass Akupunktur ein wirksames Therapeutikum bei Infertilität ist. Es hilft dabei Hormonstörungen zu lindern und den Menstruationszyklus zu harmonisieren. Weiterhin zeigt die Akupunktur einen Effekt auf die Erfolgsaussicht bei In-vitro-Befruchtungen.

Behandlungsablauf der Akupunkturmethode

1. Anamnese durch den Arzt: Der Akupunkteur muss die Krankheitsgeschichte kennen, um eine entsprechende Therapie individuell auf Patienten ausrichten zu können. Dabei sind auch Lebensumfeld und Persönlichkeit des Patienten Gegenstand der Befragung.

2. Akupunktursitzungen: Bei kleineren Störungen genügt vielleicht nur eine Sitzung, es können aber auch mehrere Behandlungen nötig sein. Man kann sagen, dass es bei akuten Erkrankungen relativ schnell zu Ergebnissen kommt; chronische Krankheiten brauchen dagegen mehr Zeit und mehr Behandlungen. Der Patient nimmt eine entspannte Position ein, dann sticht der Akupunkteur in bestimmte Stellen am Körper. Die sehr feinen Nadeln werden mindestens drei Millimeter tief eingestochen. Der Höchstwert von acht Zentimetern wird nur selten nötig.

3. Intensität der Behandlungen: Schmerzhaft ist die Behandlung nicht. Empfindliche Personen können leichte Schmerzen beim Einstich spüren. Die Nadeln bleiben zwischen zehn und 30 Minuten stecken und werden dann entfernt. Auch das geschieht völlig problemlos.

Kosten: Gesetzliche Krankenversicherung

Eine Akupunktur-Behandlung kostet je nach Aufwand zwischen 30 und 70 Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen Behandlungen bei chronischen Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule und in den Knien. Das hat der gemeinsame Bundesausschuss bestimmt, der den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen festsetzt. Alle anderen Behandlungen wurden nicht als Leistung der Krankenkassen zugelassen. Akupunktur darf nur von Ärzten angeboten werden, die eine spezielle Qualifikation für diese besondere Behandlungsform erworben haben.

Die Forschungsgruppe Akupunktur wurde 1988 gegründet. Ihre Mitglieder können nicht verstehen, dass Kopfschmerzbehandlungen mittels Akupunktur nicht als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen anerkannt werden. Kopfschmerzen und Migräne sind eine weit verbreitete gesundheitliche Störung, bei der die Akupunktur wirksam helfen kann. Die Krankenkassen haben argumentiert, dass die herkömmliche Therapie genau so effektiv ist.

Kosten: Private Krankenversicherung

Private Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für viele Akupunkturbehandlungen jeder Art. Doch die privaten Krankenversicherer sind nicht in jedem Fall verpflichtet, die Kosten für alle Behandlungen zu übernehmen. Bei der Vielzahl der Möglichkeiten sollte vor jeder Akupunktur-Behandlung die Rücksprache mit der Krankenversicherung stehen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat eineListe erstellt, auf der 100 Erkrankungen verzeichnet sind, die auf Akupunkturbehandlungen ansprechen. Dabei gibt es Schwerpunkte, bei denen die Akupunktur als besonders wirksam gilt. Schmerzen in jeder Form und jedweder Ursache sind besonders gut zu behandeln oder zu unterstützen. Auch Schwierigkeiten mit dem Verdauungstrakt und Probleme mit Stress stellen Prioritäten für Akupunktur-Therapien dar.

Bei Suchterkrankungen kann die Akupunktur ebenso wertvolle Unterstützung bedeuten. Risiken oder Nebenwirkungen gibt es kaum. Oft tritt etwas Müdigkeit auf, die mit einer Ruhezeit aber schnell verfliegt. Das Risiko von Infektionen wird in den meisten Fällen durch Einwegnadeln ausgeschlossen. Allgemein muss auf strenge Hygiene geachtet werden.

(Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu medizinischen Inhalten!)