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Functional Food 2017-03-17T16:09:35+00:00

Functional Food – Nahrung mit Zusätzen für ein gesünderes Leben

functional-foodBeinah jeder hat sie bestimmt schon einmal gesehen. Und ein großer Teil unter uns hat sie bestimmt auch schon einmal probiert – Funktionelle Lebensmittel. Der Begriff ist Ihnen unbekannt? Wahrscheinlich nicht. Sie kennen Functional Food womöglich eher als probiotischen Joghurt, Cholesterin senkende Margarine oder Getränke angereichert mit Vitaminen. Beworben werden Funktionelle Lebensmittel häufig mit Slogans, wie „für eine bessere Verdauung“ oder „beugt Erkältungen vor“.

Die Werbebotschaften versprechen viel: Einfach und leicht zu einem Mehr an Gesundheit für nur etwas mehr Geld. Und wie die Umsätze der Industrien zeigen, hat das Erfolg. Wie viel von den etwa 9 Milliarden Euro jährlichen Gesamtausgaben der Deutschen für Lebensmittel auf Functional Food zurückfallen, wurde bisher nicht erhoben. Jedoch lassen die jährlichen Umsätze für Cholesterin senkende Margarine (ca. 60 Millionen Euro) und probiotische Joghurts (ca. 550 Millionen Euro) die Annahme zu, dass der Markt für Lebensmittel mit Mehrwert boomt.

Funktionelle Lebensmittel – Was ist das?

Functional Food sind Lebensmittel, denen Inhaltsstoffe oder Nahrungsbestandteile zugesetzt wurden, um einen höheren Gesundheitsnutzen zu erzielen.
Ursprungsland für Funktionelle Lebensmittel ist Japan. Dort gibt es, im Gegensatz zu Deutschland und der EU, eine genaue Definition und rechtliche Regelungen für diese Produkte. Werden die Kriterien eingehalten, darf das Lebensmittel das offizielle Tokuho-Label tragen und mit Gesundheits- und Präventionsaussagen beworben werden. Deutschland- und EU-weit gibt es diese rechtliche Grundlage nicht (direkt). Functional Food ist grundsätzlich als Produkt zwischen handelsüblichen (natürlichen) Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln einzuordnen. Zu den am häufigsten verwendeten Zusatzstoffen zählen Probiotika, Präbiotika und Synbiotika, Omega-3-Fettsäuren, Sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe.

Pro-, Prä- und Synbiotika: Wo liegen die Unterschiede?

Mit Probiotika sind Bakterien und wenige Hefepilze gemeint, wie beispielsweise Milchsäurebakterien oder Bifidobakterien. Sie zählen zu den guten Bakterien, welche die Darmgesundheit aufrecht erhalten. Probiotische Bakterien kommen natürlicherweise in milchgesäuerten Nahrungsmitteln, wie Joghurt, Quark, Kefir und Co. vor. Probiotischen Lebensmitteln wurden diese Bakterien vermehrt zugesetzt, um die Anzahl der guten Bakterien im Darm zu erhöhen.

Mit Präbiotika sind wasserlösliche, unverdauliche Kohlenhydrate gemeint, von denen sich die guten Bakterien im Darm ernähren. Zu den bekanntesten zählen Inulin und Oligofructosen. Sie regen speziell das Wachstum der guten Bakterien an und beeinflussen dadurch die Zusammensetzung der mikrobakteriellen Darmbesiedelung positiv.

Synbiotika vereinen Pro- und Präbiotika in einem Produkt. Durch die kombinierte Aufnahme soll die Wirksamkeit beider gesteigert werden. Das Überleben der probiotisch wirkenden Bakterien wird dahingehend verbessert, dass die als Nahrung dienenden Präbiotika direkt zugänglich sind. Bei einigen der bekannten probiotischen Milchprodukte handelt es sich genau genommen bereits um synbiotische Nahrungsmittel.

Funktionelle Zusätze und ihre Gesundheitsversprechen

Inulin zählt zu den wasserlöslichen Ballaststoffen, die im Dickdarm präbiotische Wirkungen zeigen. Es ist keinesfalls mit dem ähnlich klingenden Hormon Insulin zu verwechseln. Inulin findet sich als Reservestoff natürlicherweise in einigen Gemüsepflanzen wieder. So lagern Topinambur-Knollen, Chicorée, Artischocken, Schwarzwurzeln und auch Pastinaken den Ballaststoff. Bei der Lebensmittelherstellung ist Inulin bereits weit verbreitet. So dient es beispielsweise als Fettersatz in Joghurts. Dabei verbessert das Inulin den Geschmack sowie die Sämigkeit des Joghurts. Inulin reguliert die Darmtätigkeit, dient den Bifidobakterien als Nahrungsquelle und kann womöglich die Kalziumaufnahme im Darm verbessern. Bifidobakterien dienen dazu, schädliche Bakterien und Krankheitserreger zu unterdrücken. Weiterhin zeigten Tierstudien, dass Inulin wahrscheinlich die Einlagerung von Mineralstoffen in die Knochen begünstigen sowie das Risiko an Darmkrebs zu erkranken verringern kann.
Omega-3-Fettsäuren gehören zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Da sie vom Körper nicht selbst hergestellt werden können, sind sie essentiell und müssen mit der Nahrung zugeführt werden. Natürlicherweise kommen Omega-3-Fettsäuren vermehrt in Pflanzenölen, wie Raps- und Leinöl, und Seefischen, wie Hering und Makrele, vor. Diese Fettsäuren sollen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen und den Cholesterinspiegel senken.
Sekundäre Pflanzenstoffe geben Pflanzen ihre Farbe, regulieren das Wachstum und schützen sie vor Fressfeinden. Für den Menschen sind diese Stoffe nicht lebensnotwendig. Ihnen werden jedoch neurologische, entzündungshemmende und antibakterielle Wirkungen nachgesagt. Natürlicherweise kommen sekundäre Pflanzenstoffe in jeglichen pflanzlichen Lebensmitteln vor. Allen voran sind Obst, Gemüse und Getreide zu nennen. Da die Wirksamkeit einzelner Pflanzenstoffe isoliert betrachtet nicht nachgewiesen werden konnte, ist womöglich die Aufnahme der verschiedenen sekundären Pflanzenstoffe im Verbund eines Lebensmittels notwendig, um gewünschte Effekte zu erzielen.
Vor allem Vitamin C, E und Folsäure sowie die Mineralstoffe Jod, Magnesium, Eisen und Kalzium sind häufig in funktionellen Lebensmitteln zu finden. Sie sollen als Antioxidantien vor Zellschäden schützen oder Krankheiten wie Osteoporose und Blutarmut vorbeugen.
Ballaststoffe zählen zu den unverdaulichen Kohlenhydraten, die als Füll- und Quellstoffe im Körper für eine lang anhaltende Sättigung führen, das Volumen und die Konsistenz des Stuhls verbessern und für eine geregelte Verdauung sorgen. Lebensmitteln werden sie zugesetzt um die positiven Wirkungen auch bei Vollkorn-Muffeln zu erreichen.

Functional Food: Wie gesund ist es wirklich?

Bei all den Versprechungen der Industrie und der schwindenden Klarheit über gute und schlechte Lebensmittel, gilt es der Frage nach dem Sinn (oder Unsinn) von Funktionellen Lebensmitteln nachzugehen. Was steckt hinter dem vermeintlichen Mehrwert dieser Produkte? Sind sie wirklich gesund oder können sie sogar schädigen?

Functional Food: wichtige Fakten

Fakt ist, Functional Food steigert durch höhere Preise vor allem die Einnahmen der Lebensmittelindustrie, schmälert gleichzeitig die Geldbeutel der Konsumenten. Fakt ist auch, dass es bisher keine unabhängigen, aussagekräftigen und glaubwürdigen wissenschaftlichen Studien zu diesen Produkten gibt. Die angepriesenen Untersuchungen sind meist von der Industrie gefördert und / oder lediglich anhand von Versuchstieren durchgeführt. Renommierte Ernährungswissenschaftler bemerken, dass die aktuellen Produkte in deutschen Verkaufsregalen mehrheitlich nichts bewirken. Entweder sind sie wirkungslos, was der bessere Fall wäre, oder sie schädigen im schlimmsten Fall die Gesundheit. Grundsätzlich vermitteln sie jedoch lediglich ein besseres Lebensgefühl. Krankheiten können sie keineswegs vorbeugen.

Wann sind Funktionelle Lebensmittel schädlich?

Die allermeisten Bundesbürger haben keinen Bedarf an solchen Lebensmitteln, geschweige denn an sonstigen zusätzlich eingenommenen Nährstoffen. Dennoch versuchen sie durch diese vermeintlich gesunden Produkte ihr Defizit am Obst- und Gemüseverzehr wieder auszugleichen. Werden zudem mehrere solche Produkte und schlimmer noch zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel regelmäßig eingenommen, kann es zu einer Überversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen kommen. Der weit verbreitete Glaube, dass Mangelversorgungen an Vitaminen und Mineralstoffen bestehen sowie unsere frischen, naturbelassenen Lebensmittel von heute kaum noch Nährstoffe enthalten, ist nicht haltbar. Lediglich (mit wenigen Ausnahmen) alte Menschen und Schwangere weisen bei 1 bis 2 Vitaminen und Mineralstoffen eine Unterversorgung auf.

Functional Food ja oder nein?

TippMangelnde wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirksamkeit der Funktionellen Lebensmittel sowie die Gefahren einer Überversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen lassen keine positiven Empfehlungen hinsichtlich dieser Produkte zu. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. betont, dass Lebensmittel mit Mehrwert keinesfalls eine gesunde Ernährung ersetzen können. Zudem ist Functional Food keine Entschuldigung für eine ansonsten ungesunde Lebensweise. Eine vollwertige, gesunde Ernährung, regelmäßig Sport und ausreichend Schlaf sind weiterhin die Gesundheitsförderer erster Stelle.

(Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu medizinischen Inhalten!)

RechtHersteller von Functional Food werben häufig mit den vermeintlich gesunden Wirkungen ihrer Produkte. Doch sind diese überhaupt zulässig? Jain, denn es ist eine Frage der Formulierung. Die Health Claims Verordnung gibt genaue Bestimmungen zu nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben über Lebensmittel. Grundsätzlich dürfen Produkte nur mit solchen Angaben ausgeschrieben werden, wenn diese wissenschaftlich belegt sind. Zudem ist eine Irreführung der Verbraucher untersagt. Alle anderen (und das sind die meisten Funktionellen Lebensmittel) können diese Regelung umgehen, indem sie „kann zur XXX beitragen“ oder ähnliches an ihre Aussage knüpfen. Zudem sind die Hersteller dazu angewiesen, weitere Pflichtangaben zu machen:

  • Hinweis auf die Bedeutung einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung und einer gesunden Lebensweise
  • Informationen zur Menge des Lebensmittels und zum Verzehrsmuster, die erforderlich sind, um die behauptete positive Wirkung zu erzielen
  • gegebenenfalls einen Hinweis an Personen, die dieses Lebensmittel nicht verzehren sollten
  • einen geeigneten Warnhinweis bei Produkten, die bei übermäßigem Verzehr eine Gesundheitsgefahr darstellen könnten