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Fasten – Enthaltsamkeit nicht nur für die Gesundheit

Seit etwa 100 Jahren gilt Fasten als bewährte Methode zur Reinigung und Genesung des menschlichen Körpers. Befürworter sprechen von einem Gefühl körperlicher Freiheit oder dem Gefühl, neu geboren zu sein, nachdem sie ein paar Tage oder Wochen enthaltsam gelebt haben. Doch inwieweit sind diese Aussagen tragbar? Ist Fasten für jeden geeignet oder kann es sogar schaden?

Frau trinkt Wasser

InformationGrundsätzlich ist das Fasten aus Gesundheitsgründen von religiösen Fastenzeiten zu unterscheiden. Nicht nur die Intentionen variieren, sondern auch Dauer, Art und Gestaltung der Fastenzeit. Der Großteil dieses Artikels beschäftigt sich mit dem Heilfasten und fasst dahingehend wichtige Informationen zusammen. Wenn Sie sich für eine Fastenkur entscheiden, sollten Sie dies zunächst mit Ihrem Hausarzt besprechen. Weiterhin sollten Sie auch während einer solchen Kur ärztlich betreut werden. Dies ist beispielsweise in renommierten Kurkliniken der Fall.

Heilfasten zur Stärkung von Geist und Körper

Beim Heilfasten handelt es sich um eine Fastenkur, die nicht auf religiöser Motivation beruht. Sie soll hingegen derseelischen und körperlichen Regeneration dienen. Zudem können oder sollen folgende Wirkungen mit dem Heilfasten einhergehen:

  • Gewinn seelischer Harmonie und Demut
  • Förderung der Wahrnehmung und der eigenen Aufmerksamkeit
  • Erhöhung der Willenskraft und Vorbereitung auf Herausforderungen verschiedenster Art
  • Erhöhung der Lebenserwartung und Verzögerung des Alterungsprozesses
  • Gewichtsabnahme und Kontrolle des Körpergewichts

Heilfasten nach Buchinger

Dr. Otto Buchinger erkannte am eigenen Leib, dass Fasten eine geeignete Behandlungsmethode sein kann. Er selbst erkrankte um 1917 infolge einer Mandelentzündung an chronischem Gelenkrheuma und therapierte sich nach zwei Jahren mit einer Fastenkur. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte entwickelte Buchinger die mehrdimensionale Fastenmethode, welche heute als „Buchinger-Fasten“ bekannt ist. Sie integriert neben der eigentlichen Fastenkur auch andere therapeutische Methoden, wie ärztliche Untersuchungen, Physio-, Ergo- und Psychotherapie, aber auch Bewegungs- und Kunsttherapie.

Aufbau der Buchinger-Methode

Zunächst wird der Gesundheitszustand des Kurgastes bestimmt und eine entsprechend angepasste Kur festgelegt. Es folgt eine ausführliche Aufklärung über Fastenzusätze, Aufbauzeiten, Rhythmen und Rituale. Je nach Gesundheitszustand des Fastenden begleiten ihn unterschiedliche Therapeuten während der Fastenzeit.

Die Menschen, welche eine Fastenkur nach Buchinger in Angriff nehmen, können statistisch in drei große Gruppen eingeteilt werden.

Die Stoffwechselstörungen
Zu dieser Gruppe zählen Menschen mit Übergewicht und Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, erhöhten Harnsäurewerten und Bluthochdruck. Folge dieser Entgleisungen sind in den meisten Fällen Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen.

Die chronischen Erkrankungen
Zu den chronischen Erkrankungen, auf die das Buchinger-Fasten positiven Einfluss nehmen kann, zählen chronische Gelenkerkrankungen, chronische Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, Migräne,Allergien, Asthma und Neurodermitis.

Die physischen & psychischen Erschöpfungszustände
Das ganzheitliche Konzept des Fastens nach Buchinger kann Zustände seelischer und körperlicher Erschöpfung mildern. Dazu zählen depressive Verstimmungen, Beschwerden während der Wechseljahre, nervöses Verhalten, Schlafstörungen, chronisches Erschöpfungssyndrom und Burn Out-Syndrom.

Weitere Fastenkuren

Bezeichnung Inhalt der Kur
Fasten nach Mayr „Milch-Semmel-Diät“, individueller Ernährungsplan
Saftfasten lediglich Obst- und Gemüsesäfte, z.B. Breuß-Kur
Markert-Diät Gemüsebrühe mit Eiweißzusatz
Früchtefasten Verzehr von Früchten, Gemüse, Kräutern und Nüssen
eiweißergänztes (modifiziertes) Fasten bestimmte Menge Buttermilch oder spezielles Eiweißkonzentrat (Ulmer Trunk) wird verzehrt
Molke-Fasten keine feste Nahrung; 1 Liter Molke, 0,5 Liter Obstsaft, 3 Liter stilles Wasser über den Tag verteilt und 0,2 Liter Pflaumen- oder Sauerkrautsaft am Morgen
Teefasten ausschließlicher Verzehr von Tee und (kohlensäurearmes) Wasser, wird nur vollkommen gesunden Menschen empfohlen
Schrothkur Wechsel von Trink- und Trockentagen

Umstellungsphase

  • körperliche und seelische Vorbereitung
  • dauert i.d.R. drei Tage
  • Umstellung auf eine leichtere Ernährung
  • Darmreinigung
  • Fastenphase

eigentliche Fastenzeit

  • Umsetzung der festgelegten Regeln
  • tägliche Darmreinigung
  • Fastenbrechen

langsames Wiedereingliedern fester Nahrung

  • Absetzen der Abführmittel
  • sollte mindestens vier Tage dauern
  • optimal sind eine Woche bis ein Drittel der Fastenkur

Als Schlacke werden in der Alternativmedizin vermeintliche Giftstoffe und schädliche Stoffwechselendprodukte verstanden, die die Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Körpers beeinträchtigen sollen. Die Entschlackung ist demnach ein Oberbegriff für verschiedene Behandlungen, die den Körper von den Stoffen befreien soll. Dazu zählen neben Fastenkuren, Abführmittel, Detox-Anwendungen, Schwitzkuren und vieles mehr. In der Wissenschaft gibt es weder haltbare Hinweise auf das Vorhandensein solcher Ablagerungen noch zur Wirksamkeit verschiedener Kuren. Dass sich im Darm und anderen Körperregionen Giftstoffe ansammeln, kann zudem durch die menschliche Physiologie widerlegt werden. Bei jedem gesunden Menschen ist der Magen-Darm-Trakt so beschaffen, dass es gar nicht möglich ist, dass sich Stoffe an der Wand ansammeln. Zudem sorgen Darm, Nieren und Immunsystem dafür, dass schädliche Stoffe nicht aufgenommen bzw. wieder ausgeschieden werden. Der Körper „therapiert“ sich also selbst – jeden Tag aufs Neue. Erst wenn die Funktionen durch Krankheit oder ähnliches gestört werden, entgleisen auch die Schutzfunktionen.

Alternierendes bzw. Intermittierendes Fasten als Diät

Das intermittierende Fasten ist eine spezielle Diät, bei der in einem regelmäßigen Rhythmus zwischen Fasten und Zeiten der Nahrungsaufnahme gewechselt wird. Für gewöhnlich sind es je 24 Stunden. Während der Fastenphase wird auf sämtliche Lebensmittel verzichtet und die Flüssigkeitsaufnahme erfolgt lediglich in Form von Wasser.

In Tierversuchen bewirkte diese Ernährungsform eine längere Lebenserwartung sowie eine geringere Rate altersbedingter Erkrankungen. Da es sich hierbei jedoch um Laborversuche handelt, sind diese Ergebnisse nicht eins zu eins auf den Menschen übertragbar. Blutuntersuchungen bei Muslimen während des Ramadans zeigten jedoch eine Verbesserung der Blutfettwerte, die mit verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung stehen.

Besonderheit Ramadan
Die von Muslimen praktizierte Fastenzeit „Ramadan“ kann als intermittierendes Fasten angesehen werden. Auch hier besteht ein rhythmischer Wechsel von Fastenzeiten und Zeiten der Nahrungsaufnahme.

Fasten als TherapieFasten als Therapie

Eine Fastentherapie kann gut als erkrankungsübergreifende Behandlungsform benannt werden, weil sie in eine Vielzahl von Stoffwechselvorgängen eingreift und deshalb sowohl die verschiedensten Organsysteme als auch die Psyche beeinflusst.

Indikationen Fasten

Erkrankungsart Beispiel
Stoffwechselerkrankungen Diabetes mellitus Typ 2
chronisch-entzündliche Erkrankungen Rheuma
Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen Bluthochdruck
chronisches Schmerzsyndrom Fybromyalgie
atopische Erkrankungen allergisches Asthma bronchiale, Neurodermitis
psychosomatische Störungen Depression, Burn Out-Syndrom

Risiko- und Kontraindikationen Fasten

Risikoindikationen Kontraindikationen
Suchterkrankungen Kachexie (krankheitsbedingte Abmagerung)
Diabetes mellitus Typ 1 Magersucht
Psychosen entgleiste Überfunktion der Schilddrüse
Krebserkrankungen fortgeschrittene Demenz
fortgeschrittene Koronare Herzerkrankung fortgeschrittene Leber-, Niereninsuffizienz
Netzhautablösung Schwangerschaft, Stillzeit
Magen-, Zwölffingerdarmgeschwüre

Ramadan und Co.: Religiöses Fasten

Viele Religionen vollziehen Tage oder Perioden des Fastens. Bereits aus dem alten Ägypten sind Zeiten des Fastens bekannt, beispielsweise wurde zur Laichzeit auf Fisch verzichtet. Im Allgemeinen dient das religiöse Fasten unterschiedlichen Zwecken:

  • Vollziehung der religiösen Praxis
  • Vorbereitung auf große Feiertage
  • Gewinn an seelischer Harmonie und Demut
  • Trauer über einen Todesfall oder sonstigen Verlust
  • Zuwachs an psychischer und sozialer Kontrolle bzw. Macht
Aus dem Christentum sind vor allem die Fastenzeiten vor Ostern und während der Adventszeit bekannt. Während der 40 Tage im Frühjahr, soll das Fasten an Jesus Christus erinnern, der diese Tage fastend und betend in der Wüste verbrachte. Ursprünglich wurde in dieser Zeit auf Fleisch und Genussmittel verzichtet. Heutzutage ist es jedoch eher verbreitet, dass man auf Dinge verzichtet, die einem selbst sonst besonders wichtig sind. Es wird sowohl am Tag und in der Nacht gefastet. Während der Adventszeit dient das Fasten eher als Quelle der Besinnlichkeit. Laut Altem Testament gilt das Fasten zudem als Zeichen der Trauer und um den Ernst eines Gebetes zu betonen.
Im Judentum ist es Brauch, an mehreren vereinzelten Tagen im Jahr für 25 Stunden zu fasten. Der höchste Festtag der Juden – Jom Kippur – ist zugleich auch der wichtigste Fastentag im jüdischen Kalenderjahr. Dieser Festtag ist der Versöhnung zwischen Gott und allen Mitmenschen gewidmet und wird zehn Tage nach dem jüdischen Neujahrstag gefeiert. Zusätzlich zum Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit ist an diesem Tag auch Körperhygiene und Arbeit untersagt. Neben dem Versöhnungstag gibt es noch fünf weitere Fastentage, an denen ähnlich streng gefastet wird. Diese sind der Erinnerung an besonders tragische Geschehnisse in der jüdischen Geschichte gewidmet.
Für Muslime zählt das Fasten (Saum) während des Fastenmonats Ramadan zu den fünf Säulen des Islams. Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender. In diesem wurde nach islamischem Glauben der Koran herab gesandt. Während dieser Zeit gilt täglich zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang der Verzicht auf Nahrung, Flüssigkeit und Sexualität. Die Fastenregeln sind für erwachsene und gesunde Muslime im Normalfall während des gesamten Monats verpflichtend. Das Fest des Fastenbrechens am Ende der Fastenzeit (arabisch: id al-fitr; türkisch: Ramazan bayram?) ist nach dem Opferfest der höchste islamische Feiertag.

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