Ökostrom-Kriterien: Zertifikate für wirklich saubere Energieanbieter

Ökostrom

Mit dem Atomausstieg wird deutlich, dass in der Politik Einigung darüber herrscht, die Energiewende voranzubringen – weg von den konventionellen Energieträgern und hin zu den erneuerbaren Energien.

Der Sinn von ökologischer Energie ist auch den meisten Bürgern bewusst: Die erneuerbaren Energien sind nahezu unerschöpflich und die Umwelt wird nicht belastet. Doch allein ein grünes Gewissen reicht nicht aus, um jeden Verbraucher vom Wechsel zum Ökostrom zu überzeugen.

Für den Einzelnen bedeutet der Wechsel zum Ökostrom eine Reduzierung des persönlichen CO2-Ausstoßes um bis zu 80 Prozent. Aber so gut das klingt: Viele Verbraucher sehen von einem Wechsel ab, weil sie eine höhere Stromrechnung fürchten oder der ökologischen Herkunft des Stroms misstrauen. Aber ist diese Einstellung angebracht? Ist Ökostrom tatsächlich viel teurer als der herkömmliche Strom und gibt es Möglichkeiten „richtigen“ Ökostrom zu erkennen?

Derzeit beträgt der Anteil an erneuerbaren Energien in Deutschland ungefähr 25,8 Prozent. 1990 lag er noch bei niedrigen 3,4 Prozent und durchbrach im Jahr 2005 die 10-Prozentmarke. Laut dem Energiekonzept der Bundesregierung soll der Anteil im Jahr 2020 auf 35 Prozent wachsen und 2050 sogar bei 80 Prozent liegen. Den größten Anteil am Ökostrom macht die Windkraft aus, danach folgt Biomasse und an dritter Stelle steht Photovoltaik.

Vorteile und Nachteile der Erneuerbaren Energien

Vorteile Nachteile
Die Energie stammt aus erneuerbaren, nachwachsenden oder sogar nichtstofflichen Rohstoffen und ist somit unerschöpflich. Durch den Bau von Anlagen erneuerbarer Energien wie Windräder oder Wasserkraftwerke gibt es teilweise schwerwiegende Einschnitte in die Natur.
Die Erzeugung von erneuerbarer Energie ist CO2 frei bzw. CO2 neutral und somit unschädlich gegenüber dem Klima. Bei einigen Anlagen wie der Windkraft oder Fotovoltaik ist die Stromerzeugung stark vom Wetter abhängig.
Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien wird die regionale Wirtschaft gestärkt und teure Energieimporte aus dem Ausland werden überflüssig. Der Strom ist derzeit noch in einigen Fällen teurer und wird zudem stark finanziell gefördert.

Das „Deutsche Institut für Service-Qualität“ hat 2015 eine Studie veröffentlicht, bei der Ökostromanbieter auf Service und Konditionen untersucht wurden.

Rang / Stromanbieter
1. Team Energie
2. Extraenergie
3. EVD
4. Grünwelt Energie
5. Stadtwerke Flensburg
6. Entega
7. Enstroga
8. Tchibo Energie
9. Naturstrom
10. Stadtwerke München

Günstige Ökostromanbieter – geht sauber und billig?

Trotz vieler Vorteile denken die meisten Verbraucher nicht über einen Wechsel nach oder entscheiden sich sogar bewusst dagegen, da für sie nur ein Faktor wichtig ist: der Preis. Aber ist Ökostrom tatsächlich viel teurer? Vergleicht man Stromtarife von herkömmlichen Anbietern mit Anbietern von Ökostrom, stellt man fest, dass der Preisunterschied deutlich geringer ist, als häufig angenommen. Die Preiseunterschiede liegen häufig in niedrigen einstelligen Prozentbereichen und immer häufiger sind Ökostromtarife sogar günstiger als konventionelle Tarife.

Bei einem Wechsel des Stromversorgers der Grundversorgung zu einem Ökostromanbieter spart man in den meisten Fällen sogar mehrere hundert Euro im Jahr und hilft gleichzeitig der Umwelt und dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Allerdings sollte bei einem Stromanbietervergleich immer auch auf bestimmte Ökosiegel und nicht nur auf den Preis geachtet werden. Verbraucher zahlen sonst möglicherweise für Ökostrom, der gar keiner ist.

Garantiert Ökostrom – Die wichtigsten Gütesiegel im Überblick

Nicht jeder, der sich Ökostromanbieter nennt, bietet tatsächlich hundertprozentigen Ökostrom an. Wer sich dafür entscheidet, zu einem Anbieter von Strom aus erneuerbaren Energien zu wechseln, sollte auf Ökostrom Gütesiegel achten, die die nachhaltige Energieproduktion des Unternehmens eindeutig bestätigen. Vor allem seitdem Energieunternehmen mit Zertifikaten des Renewable Energy Certificate System (RECS) die Möglichkeit haben ihren Atom- und Kohlestrom in Ökostrom „umzuetikettieren“, ist es besonders wichtig, Nachweise über die Herkunft des Stroms zu haben. Die Zuverlässigsten möchten wir an dieser Stelle vorstellen.

Die Gütesiegel des Technischen Überwachungsvereins (TÜV)

Beim TÜV wird zwischen dem Siegel des TÜV-Nord und TÜV-Süd unterschieden, wobei Letzterer zwei verschiedene anbietet.

TÜV Nord Zertifizierung:

  • 50 Prozent der Energie kommt aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK). Zwar nutzen diese die bei der Stromherstellung erzeugte Wärme zum Heizen, werden allerdings auch mit Kohle und Gas betrieben.
  • Der Ausbau regenerativer Energien wird gefördert und Kunden regelmäßig über Fördermaßnahmen informiert.
  • Der Preisunterschied des Ökostromtarifs zum Standardtarif muss direkt dem Bau regenerativer Anlagen dienen.
  • Ein Drittel des Stroms stammt aus Anlagen, die nicht älter als sechs Jahre alt sind oder in den letzten sechs Jahren eine Leistungssteigerung erfahren haben.

TÜV Süd Zertifizierung:

  • EE01-Siegel: Der Strom muss zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien kommen und mindestens 30 Prozent davon aus neuen Kraftwerken. Preisaufschläge dienen dem Ausbau regenerativer Energien.
  • EE02-Siegel: Der Strom muss zu 100 Prozent von erneuerbaren Energien stammen und eine Zeitgleichheit zwischen Erzeugung und Verbrauch im Viertelstunden-Raster bestehen. Auch hier müssen Preisaufschläge dem Aufbau regenerativer Energien zugutekommen

ok-power Label

ok-power ist ein Ökostrom-Gütesiegel, dass vom energie vision e.V. vergeben wird, zu dessen Gründern Öko-Institut e.V., WWF Deutschland und die Verbraucherzentrale NRW zählen.

Händlermodell:

  • Mindestens 50 Prozent des erzeugten Stroms muss von erneuerbaren Energien und die andere Hälfte aus Kraft-Wärme-Kopplung (Erdgas) stammen.
  • Ein Drittel des Stroms muss aus Kraftwerken kommen, die nicht älter als sechs Jahre alt und ein weiteres Drittel aus Kraftwerken, die nicht älter als zwölf Jahre alt sind.
  • Die Anlagen dürfen nicht bereits durch das EEG gefördert werden, um eine Doppelförderung zu vermeiden.

Initiierungsmodell:

  • Mindestens 50 Prozent des erzeugten Stroms muss von erneuerbaren Energien stammen und die andere Hälfte aus Kraft-Wärme-Kopplung (Erdgas).
  • Der Neubau von Anlagen muss initiiert werden, dabei dürfen auch Fördermittel wie das EEG genutzt werden.
  • Der Anbieter muss innerhalb von fünf Jahren, 60 Prozent des von Neukunden verbrauchten Stroms durch selbst initiierte Anlagen regenerativ erzeugen und ins Stromnetz einspeisen.
  • Vier Prozent des von Bestandskunden verbrauchten Stroms muss aus neuen, selbst initiieren und regenerativen Anlagen stammen.

Grüner Strom Label

Der Grüner Strom Label e.V. ist ein Zusammenschluss vieler verschiedener Naturschutz- und Verbraucherverbände darunter, BUND – Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Eurosolar e.V., NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V. und Die VERBRAUCHER INITIATIVE e.V.

Grüner Strom Label “Gold”:

  • Der Strom stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen. Zwar darf die Energie aus KWK-Anlagen kommen, diese dürfen jedoch nicht mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Zudem müssen Anbieter den Ausbau der regenerativen Energien mit einem festen Betrag pro Kilowattstunden fördern.

Grüner Strom Label “Silber”:

  • Mindestens die Hälfte des Stroms stammt aus erneuerbaren Energien. Die andere Hälfte darf aus KWK-Anlagen kommen, die auch mit fossilen Brennstoffen betrieben werden dürfen.

RECS steht für Renewable Energy Certificate System, auf Deutsch Zertifizierungssystem für erneuerbare Energien. Über dieses System können Stromerzeuger für jedes Megawatt Strom aus erneuerbaren Energien ein Zertifikat erhalten. Dies soll einen europaweiten Handel mit Ökostrom ermöglichen. Leider nutzen einige Anbieter diese Zertifikate aus, indem sie mit ihnen ihren Strom umetikettieren.

So kann ein deutscher Energieanbieter, der seinen Strom aus Kohlekraft gewinnt, die Zertifikate eines schwedischen Wasserkraftwerks aufkaufen und dann seinen Kohlestrom als Ökostrom bezeichnen und anbieten. Zugleich stellt das RECS-Zertifikat relativ geringe Ansprüche an Erzeuger von erneuerbaren Energien – das Alter von Anlagen und der Schutz der Natur spielt keine Rolle für die Erteilung der Zertifikate.

Lohnt sich eine eigene Solarstromanlage?

Solarstrom wird nicht nur auf großen Feldern von Energieproduzenten erzeugt, auch Hausbesitzer können Strom aus der Sonnenenergie selbst herstellen, selbst verbrauchen und sogar ins Energienetz einspeisen. Wer überlegt, sich eine Fotovoltaikanlage auf das Dach zu setzen, sollte aber gut durchrechnen, ob sich das lohnt. Mittlerweile ist die Einspeisevergütung der Netzbetreiber im Vergleich zu den Vorjahren stark gesunken. Statt der früher staatlich garantierten Vergütung von 28,74 Cent pro Kilowattstunde gibt es mittlerweile nur noch etwa 12 Cent für den selbst produzierten Sonnenstrom. Wer jedoch viel Strom selbst verbraucht, sollte über die Installation einer Solaranlage nachdenken.

Unsichere Faktoren verhindern genaue Berechnung

Am Tage und in den Sommermonaten produzieren Solaranlagen viel Strom, im Winter und in der Nacht sieht das jedoch anders aus. Besitzer von Solarstromanlagen sind deshalb nicht komplett unabhängig von Energieversorgern. Allerdings gibt es in der Regel schon kleine Ersparnisse, wenn etwa 30 Prozent des erzeugten Stroms selbst verwendet werden. Genaue Prognosen können allerdings nicht getroffen werden, denn die Ersparnis hängt von unsicheren Faktoren, wie etwa der Strompreis- und der regionalen Wetterentwicklung ab. Zum anderen bedeutet der Betrieb auch viel Aufwand, denn es müssen Angebote für den Bau eingeholt werden, Versicherungen verglichen und abgeschlossen werden und darüber hinaus Umsatz- und Einkommensteuer abgerechnet werden.

Preise für Anlagen und Speicher sinken

Wer über den Bau einer Solaranlage für den Eigenverbrauch in den eigenen vier Wänden nachdenkt, sollte möglicherweise noch einige Monate warten. Die Kosten für den Kauf und die Montage von Fotovoltaikanlagen sind seit 2011 stark gesunken und werden es voraussichtlich auch in Zukunft. Zudem sinkt der Anschaffungspreis für lohnende Stromspeicher. Diese sorgen dafür, dass durch die Solaranlage produzierter aber nicht verbrauchter Strom für die Nacht oder sonnenlose Tage gespeichert wird, sodass die Abhängigkeit vom Strom des Energieversorgers zurückgeht. Das bedeutet, dass der Eigenverbrauch des selbst produzierten Stroms steigt und die Anlage deutlich rentabler wird.