Einfach den Gasanbieter wechseln: So kündigen Sie richtig

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Nach den kalten Wintermonaten kommt für viele Verbraucher die schnelle Ernüchterung. Die Heizkosten sind mal wieder ins Unermessliche gestiegen oder der Gasanbieter hat schon wieder eine Preiserhöhung angekündigt.

Trotzdem scheuen sich viele Haushalte immer noch vor einem Wechsel, der oft umständlich und kompliziert erscheint. Es ist tatsächlich so, dass ca. die Hälfte aller deutschen Haushalte noch nie ihren Energietarif, geschweige denn ihren Anbieter gewechselt haben.

Der Gasanbieterwechsel ist oft einfach und schnell abgewickelt und kann Ihnen erhebliche Kosten ersparen. Wenn man einige wichtige Aspekte berücksichtigt, ist der Wechsel zu einem neuen Anbieter leicht geschafft und ein besserer Vertrag schnell gefunden. Ein Gasanbietertest kann dabei helfen schnell und einfach gute Vertragsbedingungen und günstige Preise ausfindig zu machen.

Gaswechsel: Worauf man beim Gasanbieterwechsel achten sollte

Die drei Schritte zum Wechsel:

Bevor Sie sich für einen Anbieterwechsel entscheiden, können Sie auch Ihren derzeitigen Lieferanten nach einem günstigeren Tarif fragen. Nicht immer liegen dem Haushaltskunden alle möglichen und aktuellen Tarifoptionen vor. Falls es dennoch zu einem Anbieterwechsel kommt, sollten Sie am besten zunächst die verschiedenen Anbieter vergleichen. Für den späteren Wechsel sind es dann nur wenige Schritte, die es zu beachten gilt:

1. Ermitteln Sie Ihren eigenen Gasverbrauch

Die einfachste Möglichkeit um Ihren Gasverbrauch zu ermitteln, ist auf die letzte Jahresabrechnung ihres aktuellen Gasanbieters zu schauen. Versuchen Sie einen möglichst genauen Verbrauch anzugeben, da Sie sonst bei der Endabrechnung mit Nachzahlungen rechnen müssen. Falls sie Ihren Verbrauch zu hoch angegeben haben und Sie zu viel bezahlen, müssen Sie außerdem bis zum Jahresende warten, ehe Ihnen die Differenz ausgezahlt wird.

2. Vergleichen Sie Preise und Leistungen der verschiedenen Anbieter

Informieren Sie sich in Ruhe und ausgiebig über die Konditionen, der für Sie in Frage kommenden Gaslieferanten. Über Online-Tarifrechner haben Sie die Möglichkeit Gasanbieter und ihre Preise schnell und übersichtlich für Ihren jeweiligen Wohnort zu vergleichen und den kostengünstigsten für sich zu finden. Überprüfen Sie die Vertragsleistungen und Konditionen vor Vertragsabschluss kritisch, insbesondere unter Berücksichtigung folgender Aspekte:

Vertragslaufzeiten: Je kürzer die Laufzeit des Vertrags ist, desto flexibler sind Sie. Die Erstlaufzeit eines Vertrags darf gesetzlich nicht mehr als zwei Jahre betragen. In der Regel ist die Laufzeit aber nicht länger als 12 Monate.

Kündigungsfristen: Achten Sie auf die Bestimmung im Falle eines Umzugs oder einer Preiserhöhung. DieseSonderkündigungskonditionen sind nicht bei jedem Anbieter gegeben. In der Regel besteht bei Gaslieferverträgen eine Frist von vier Wochen bis zu drei Monaten.

Preisgarantien: Achten Sie auf angebotene Preisgarantien. Diese sind in der Regel auf zwölf Monateangelegt und ermöglichen eine langfristigere Planung und sollten Ihnen unplanmäßige Erhöhungen ersparen.

Zahlungsweise: Sie sollten sich bestenfalls einen Anbieter mit monatlichen Abschlagszahlungen suchen. Bei Vorrauszahlungen besteht für Verbraucher die Gefahr, bei einer Insolvenz des Gaslieferanten keine Rückzahlungen zu bekommen.

3. Schließen Sie Ihren neuen Vertrag ab

Fordern Sie nach Auswahl eines neuen Anbieters dessen Vertragsunterlagen an und füllen Sie diese aus. In der Regel müssen Sie neben Ihren persönlichen Daten auch die Nummer des Gaszählers, den Namen Ihres bisherigen Gaslieferanten und die entsprechende Kundennummer angeben.Sie können diese Angaben in Ihrer letzten Abrechnung einsehen.

Laut einer Verbraucherumfrage des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), die durch das Marktforschungsinstitut prolytics durchgeführt wurde, sind 62 Prozent der Gasverbraucher mit ihren Anbietern in höchstem Maße beziehungsweise sehr zufrieden. Mit der Sicherheit und Zuverlässigkeit sind sogar 78 Prozent der Befragten entweder sehr oder in höchstem Maße zufrieden.

Dennoch stieg die Wechselquote für den Gasbereich im Vergleich zum Vorjahr um fast acht Prozent. Seit 2007 der Gasmarkt liberalisiert wurde, wechselten damit 25,6 Prozent der Haushaltemindestens einmal ihren Gasversorger.

Alle Sonderkunden, also solche die nicht bei einem Grundversorger sind, können möglicherweise Geld von ihrem Anbieter zurückfordern. Laut einem BGH-Urteil verwendeten einige Gasversorger unzulässige Vertragsklauseln, die zu unrechtmäßigen Preiserhöhungen führten.

Die strittige Klausel lautet: „Änderungen der allgemeinen Tarife und Bedingungen werden erst nach öffentlicher Bekanntgabe wirksam.“ Sollte der Gasvertrag diese oder eine ähnliche Formulierungen enthalten, dann können Kunden dagegen Widerspruch einlegen und durch die Preiserhöhung zu viel berechnete Beiträge zurückfordern.

Gasvertrag schnell und einfach kündigen

In der Regel übernimmt ihr neuer Gaslieferant die komplette Kündigungsprozedur für Sie. Er kündigt den Liefervertrag bei Ihrem bisherigen Anbieter unter Berücksichtigung der Frist und organisiert mit diesem und dem Netzbetreiber den nötigen Datenaustausch und gegebenenfalls die Zählerablesung. Von Ihnen wird nur eine Vollmacht benötigt. Die Kündigungsfristen können je nach Vertragsart unterschiedlich ausfallen. Wenn Sie in der Grundversorgung sind, können Sie nach §20 des GasGVV aus Ihrem Grundversorgungsvertrag mit einer Frist von zwei Wochen aussteigen. Das ist bei Lieferverträgen außerhalb der Grundversorgung jedoch anders. Hier muss individuell in den allgemeinen Geschäftsbedingungen überprüft werden, wie lange die Kündigungsfrist gilt. Generell ist zu beachten, dass die Kündigung immer schriftlich (Brief, Fax oder E-Mail) erfolgen muss.

Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung

Wenn die Gasanbieter wieder einmal die Preise erhöhen, stellt sich für viele Verbraucher eine dringliche Frage: Habe ich durch diese Erhöhung die Möglichkeit aus meinem Vertrag rauszukommen, auch wenn die Vertragslaufzeit noch gar nicht abgelaufen ist?

JA – Sie müssen sich hier nicht an die normale Kündigungsfrist halten. Sie haben die Möglichkeit innerhalb von einer gegebenen Frist, die in den meisten Fällen gerade einmal zwei Wochen beträgt, von Ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen und bei einer Gaspreiserhöhung aus dem Vertragsverhältnis auszutreten. Es ist also wichtig, dass man nach erhaltener Information über die Preiserhöhung möglichstschnell reagiert. Das Sonderkündigungsrecht gilt generell immer dann, wenn ein Vertragspartner einseitig die Vertragsbedingungen ändert. Es gilt auch, nach einem Urteil des Bundesgerichtshof, wenn ein Sonderkündigungsrecht im Vertrag nicht vermerkt ist. Schicken Sie die Kündigung in einem solchen Fall unbedingt als Einschreiben mit Rückschein, um ein mögliches Versäumen der Frist zu verhindern. Neben Ihren Angaben zur Person und Adresse, sollten Sie in dem Schreiben auch Ihre Kunden- und Zählernummerangeben.

Das Online Statistik-Portal „statista“ hat in einer Umfrage das Verhalten deutscher Befragter auf dem Gasmarkt festgehalten. Die Teilnehmer wurden im Rahmen der Untersuchung darüber befragt, was für sie Gründe für den Wechsel des Gasanbieters seien.

Gründe Bestimmt Wahrscheinlich
Möchte künftig mehr sparen 59 % 26 %
Eigener Anbieter ist zu teuer 55 % 26 %
Eigener Anbieter erhöht die Preise 45 % 35 %
Unzufriedenheit mit eigenem Anbieter 36 % 35 %
Eigener Anbieter ist zu unflexibel 21 % 35 %
Ein Umzug 18 % 27 %
Empfehlung von Freunden, Bekannten 9 % 36 %
Möchte zu einem umweltbewussten Anbieter wechseln 13 % 27 %
Der Jahreswechsel 6 % 13 %

Beim Umzug: Gasanbieter kündigen oder wechseln?

Wenn Sie ihr Gas aus der Grundversorgung beziehen, haben Sie mit einem Hinweis auf den bevorstehenden Umzug eine 14-tägige Frist zum Kündigen. Bei Kunden, die ihren Gasvertrag bei einem alternativen Anbieter abgeschlossen haben, ist es etwas umständlicher. Im aktuellen Vertrag kann man einsehen, ob der Anbieter ein Sonderkündigungsrecht im Falle eines Umzugs einräumt. Die Kündigung muss in diesem Fall jedoch selbst durchgeführt werden und sollte folgende Informationen beinhalten:

  • Kundennummer
  • Gas-Zählernummer
  • aktueller Zählerstand am Tag des Auszugs mit Ablesedatum
Umzug innerhalb des Netzgebietes Umzug außerhalb des Netzgebietes
Falls Sie innerhalb des Versorgungsgebietes Ihres aktuellen Anbieters umziehen, müssen Sie damit rechnen, den jetzigen Vertrag gegebenenfalls behalten zu müssen. In so einem Fall sollten Sie Ihren Gaslieferanten spätestens sechs Wochen im Voraus über den Umzug informieren. Lesen Sie auf jeden Fall genau die AGB Ihres Anbieters, um Komplikationen in der Weiterbelieferung zu vermeiden. Ziehen Sie außerhalb des Versorgungsgebietes Ihres bisherigen Anbieters, ist es ratsam sich so früh wie möglich nach einem neuen zu erkundigen, damit dieser Sie bereits beim Einzug mit Gas beliefern kann. Falls Sie es bis zum Einzug nicht rechtzeitig schaffen, müssen Sie natürlich nicht frieren. In diesem Fall übernimmt der ansässige Grundversorger die Gasversorgung.

Falls Sie also von einem neuen Lieferanten versorgt werden, benötigt dieser für den Wechsel dann nur noch

  • das Datum Ihres Einzugs
  • die Gas-Zählernummer
  • den aktuellen Zählerstand

Der Zähler befindet sich in der Regel im Treppenhaus oder im Keller. Falls der Zähler für Sie nicht frei zugänglich sein sollte, wenden Sie sich einfach an Ihren Vermieter oder die Hausverwaltung.